Dividendenstudie 2017: Vierfacher Rekord, viel Qualität und ein paar Warnsignale

Gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) und dem isf Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule haben wir heute auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main die achte Auflage unserer Dividendenstudie Deutschland vorgestellt – die wohl umfassendste Analyse zum Ausschüttungsverhalten der heimischen Börsenfirmen.

Dividendenstudie Deutschland 2017 Cover

Die vollständige Dividendenstudie (PDF, 36 Seiten) können Sie hier kostenfrei herunterladen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Rekorde in allen Indices

Die deutschen Aktiengesellschaften (Prime Standard, General Standard und Freiverkehr) schütten 2017 gut 46 Mrd. Euro aus. Die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr wird damit um rund 9% übertroffen. Erstmals seit 2005 erreichen dabei alle vier Auswahl-Indices DAX, MDAX, TecDAX und SDAX neue Rekord-Volumina – teilweise durch Sonder- und Nachholeffekte (Volkswagen, Innogy/Uniper, Qiagen, DMG Mori), vor allem aber weil mehr als zwei Drittel der Index-Mitglieder ihre Ausschüttung erhöhen.

Die Dickschiffe

Die dicksten Dividendenschecks stellen mit je 3,5 Mrd. Euro Daimler und Allianz aus. Auch Siemens knackt die Drei-Milliarden-Marke, es folgen die Deutsche Telekom und BASF mit 2,81 bzw. 2,75 Mrd. Euro. Aus dem Spitzenquintett hat nur Daimler die Ausschüttung nicht angehoben, während die Telekom ihren Aktionären sogar 9,1% mehr als im Vorjahr zahlen will. Im MDAX bleibt Airbus der Volumen-Krösus, auch im TecDAX geht der Spitzenplatz an Titelverteidiger Telefonica Deutschland.

Die Stürmischen

Erst 2015 kam Covestro an die Börse, zwei Jahre später ist die Abspaltung des Bayer-Konzerns der dynamischste Dividendenzahler Deutschlands: Die Ausschüttung wird von 0,70 auf 1,35 Euro je Aktie angehoben – ein Plus von 93%. Nicht ganz so wachstumsstark, aber deutlich glamouröser ist Puma, wo die Dividende um 50% steigt. Ganz vorne dabei auch der Außenwerber Ströer (+57%), die Schienenlogistiker von VTG (+50%) und der Zahlungsabwickler Wirecard (+43%). Blickt man nicht nur auf die regulären Dividenden und rechnet auch Sonderausschüttungen mit ein, liegt Bet-at-home.com auf dem ersten Platz. Der Wettanbieter zahlt mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Die Renditebringer

Abseits einmaliger Sonderausschüttungen lockt die Aareal Bank mit der höchsten Dividendenrendite (5,7%). Fette Prozente winken traditionell auch im Telekom-Sektor, wo Telefonica Deutschland (5,5%) knapp vor Freenet (5,3%) liegt. Renditestärkster DAX-Konzern ist die Münchener Rück (4,7%). Aber Vorsicht: Eine hohe Dividendenrendite alleine ist noch kein Qualitätsmerkmal und darf nie das einzige Argument für den Kauf einer Aktie sein!

Die Enttäuschungen

Commerzbank: Eigentlich hatte man gedacht, die „Gelben“ wären über den Berg, nachdem 2016 nach sieben Jahren Nulldiät wieder eine Dividende gezahlt worden war. Aber Pustekuchen – dieses Jahr gehen die Aktionäre wieder leer aus.

RWE: Obwohl der Börsengang der Netz-Tochter Innogy erfolgreich war, zahlt RWE nach dem Ausfall im vergangenen Jahr auch 2017 keine Dividende – sehr zum Verdruss der kommunalen Anteilseigner, die fest damit gerechnet hatten, dass RWE die klammen Stadtsäckel füllt.

K+S: Nur knapp ein Dutzend der 160 in den Auswahl-Indices der Deutschen Börse (DAX, MDAX, SDAX, TecDAX) enthaltenen Unternehmen muss 2017 die Dividende kürzen. Am stärksten abwärts geht’s bei K+S – der Düngemittelhersteller senkt um 75% und zahlt nur 0,30 Euro.

Gerry Weber: Die gründergeführte Textilfirma aus Halle/Westfalen gehörte jahrelang zu den beliebtesten Dividendenaktien, steckt nun aber in der Krise und leistet sich bereits die zweite Kürzung in Folge – um 37,5% auf 0,25 Euro je Aktie. 2015 gab’s noch das Dreifache.

BayWa: Zwölf Jahre in Folge hatte der Agrarhändler seine Dividende Jahr für Jahr erhöht, ausgerechnet im verflixten 13. Jahr ist die Serie gerissen – weil die Landwirtschaft schleppend läuft, wird nur eine Ausschüttung auf Vorjahresniveau überwiesen. Immerhin keine Kürzung.

Die Implikationen der Zinswende

Abseits der reinen Statistik untersuchen wir im Rahmen der Dividendenstudie traditionell auch die Wechselwirkungen zwischen Ausschüttungspolitik und Anlageergebnis. Ein Thema sind dabei die Auswirkungen der in den USA schon in Gang gesetzten und möglicherweise auch in der Euro-Zone bevorstehenden Zinswende auf Dividendenaktien. So können wir empirisch illustrieren, dass die Fokussierung auf hohe Dividendenrenditen in einem Umfeld steigender Zinsen kritisch ist – während Unternehmen mit starkem Dividendenwachstum deutlich besser abschneiden. Nicht umsonst ist die Dynamik das finale Ranking-Kriterium unserer Selektionslisten.

Folgen Sie Christian W. Röhl auf Twitter: @CWRoehl

Sämtliche Inhalte nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr für Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit. Die Kolumne dient nur der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der erwähnten Wertpapiere dar. Der Autor haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden.

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1 Antwort

  1. 3. April 2017

    […] Über Dickschiffe, Stürmische und Renditebringer >>> Dividendenstudie 2017: Vierfacher Rekord, viel Qualität und ein paar Warnsignale […]

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