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Globale Aktien seit 1970: Das Renditedreieck für den MSCI World Index

Mit seinem Renditedreieck hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) seit Jahren eine bei Investoren und Kundenberatern gleichermaßen beliebte Visualisierung historischer Aktienrenditen im Programm. Auf einen Blick erkennt man: Je länger der Anlagehorizont, umso satter das Grün – sprich umso stabiler die Rendite-Perspektive eines Aktien-Portfolios.

Das Aktieninstitut lebt den Home Bias

Einziger Wermutstropfen: Das DAI nimmt nur den DAX und den EURO STOXX 50 als buntes Dreieck ins Visier. Der nicht nur für ETF-Anleger viel relevantere MSCI World Index fehlt hingegen bei der von den deutschen Aktiengesellschaften geförderten Interessenvereinigung. Deshalb greife ich nun schon im dritten Jahr zu Excel und Bloomberg, wo für das wichtigste globale Aktienbarometer immerhin ab Anfang 1970 Daten hinterlegt sind – und zwar gleich mehrere Zeitreihen:

Der Kursindex zeichnet nur die Kursbewegungen nach, während Dividenden – die langfristig mehr als ein Drittel der Erträge ausmachen – unter den Tisch fallen. Kein sinnvoller Maßstab für den Erfolg eines Aktien-Investments.

Der Gross Total Return-Index spiegelt die Kursentwicklung wider und rechnet außerdem die Dividenden an – und zwar dergestalt, dass die Brutto-Ausschüttungen am Tage des Zuflusses wieder in die jeweilige Aktie reinvestiert werden. Nach diesem Prinzip wird auch der DAX berechnet. Dennoch ist es von der Wirklichkeit weit entfernt. Im echten Leben müssen Dividenden bekanntlich zumeist sofort versteuert werden. Bei deutschen Firmen stehen deshalb für die Reinvestition regelmäßig nicht 100% der Dividende, sondern nach Abzug von Kapitalertragsteuer und (leider immer noch) Solidaritätszuschlag nur 73,625% zur Verfügung. Ähnlich ist die Situation in anderen Ländern, weshalb der Gross Total Return-Index das Anlage-Ergebnis ein bisschen zu gut darstellt und deshalb auch keine sinnvolle Benchmark ist.

Beim Net Total Return-Index werden neben der Kursentwicklung nur die um allfällige (Quellen-)Steuern verminderten Dividenden angerechnet. Auch diese Vorgehensweise kann keine exakte Eins-zu-eins-Abbildung der Netto-Rendite eines deutschen Privatanlegers gewährleisten – ist aber auf jeden Fall näher an der Realität als die beiden anderen Index-Methoden. Nicht umsonst referenzieren die meisten ETFs auf dieses Index-Konzept und führen deshalb ein NTR im Namen.

Der lange Blick zurück

Dass es bei dieser Unterscheidung nicht um akademische Haarspalterei geht, zeigt der logarithmische Langfrist-Chart. In Euro (bzw. vor 1999 in D-Mark) hat sich der MSCI World Kursindex seit Anfang 1970 mehr als verzehnfacht. Über 51 Jahre entspricht das einem Zuwachs von durchschnittlich 4,9% p.a. Der Gross Total Return-Index hat sich fast verfünfzigfacht (!) und kommt damit auf 8,0% Jahresrendite. Drei Prozentpunkte mehr, die nur aus den reinvestierten (Brutto-)Dividenden resultieren: Dies nur als Hinweis an alle, die regelmäßige Ausschüttungen noch immer für Kleinvieh halten, das kaum Mist macht.

MSCI World Renditedreieck 2021 Indices seit 1970

Der MSCI World Net Total Return Index liegt folgerichtig zwischen den beiden anderen – natürlich deutlich näher am Brutto-Barometer, schließlich darf man trotz der Gier des Fiskus in allen relevanten Ländern mehr als die Hälfte der Dividenden behalten.

Kosten nicht vergessen

Ein bisschen was geht aber trotzdem noch flöten. Schließlich sind die ETFs, mit denen man sich den Welt-Index ins Depot legen kann, zwar sehr günstig, aber eben nicht umsonst. Der iShares Core MSCI World UCITS ETF, mit einem Fondsvermögen von über 24 Mrd. Euro das Volumen-Dickschiff unter den hiesigen Welt-ETFs, kommt beispielsweise auf eine Gesamtkostenquote von jährlich 0,20%. Wird diese Total Expense Ratio (TER) auf Monatsbasis vom Net Total Return-Index abgezogen, erhält man die weiße Nachkosten-Linie – die im Durchschnitt um 7% p.a. steigt.

Renditedreieck: Zwei Varianten und viele Erkenntnisse

Diese Daten sind nun gleichsam die Grundlage der beiden Varianten zum Renditedreieck – einerseits für eine Einmalanlage und andererseits für Sparpläne mit monatlicher Einzahlung. Die zentrale Erkenntnis: Je länger man investiert war, umso geringer das Rot-Risiko. Und ab einem Horizont von 15 Jahren hat man im letzten halben Jahrhundert unabhängig vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt mit globalen Aktien in hiesiger Währung kein Geld verloren.

Gleichzeitig gibt es durchaus auch bei längeren Zeiträumen einige weiße Flecken – Marktphasen, in denen die Renditen nicht allzu weit von der Nulllinie entfernt waren. Auch die harten Übergänge 2001/02 und 2007/08 stechen im Renditedreieck ins Auge und illustrieren, dass der Investment-Horizont nicht zu starr bemessen sein darf. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt ans Geld muss, sollte mit dem „Entsparen“ nicht bis kurz vor knapp warten und in guten Phasen schon mal ein bisschen Liquidität schaffen. Und auch beim Einstieg kann eine Staffelung sinnvoll sein, nicht nur aus psychologischer Hinsicht.

Wer das Renditedreieck näher studieren möchte, kann alle drei Grafiken hier als PDF herunterladen. Auf vielfachen Wunsch gibt’s zusätzlich auch dieses Jahr wieder eine druckoptimierte Version mit weißem statt schwarzem Hintergrund. Und wie für alle Beiträge gilt: Gerne teilen – egal, ob online oder offline, in Facebook-Gruppen oder an der Arbeit. Kostet nix, freut mich und kann vielleicht mit dazu beitragen, dass auch Verwandte, Freunde und Kollegen sich mal an Aktien rantrauen! [Sie möchten das Renditedreieck für die kommerzielle Verwendung lizensieren, vielleicht in Ihrem Corporate Design oder mit ergänzenden Erläuterungen? Gerne hier Kontakt aufnehmen!]

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