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Elf Börsenregeln: Das Rheinische Grundgesetz für Investoren

In meinem Buch „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ kommt, genau wie in Vorträgen oder Podcasts wie jüngst mit Deffner und Zschäpitz, immer wieder mein Opa Wilhelm zur Sprache. Er hat meine Leidenschaft für Börse geweckt, mir auch sonst viel fürs Leben mitgegeben und obendrein habe ich von ihm das rheinische Wesen geerbt – was wiederum beim Investieren hilft. Nicht von ungefähr lassen sich aus dem „Rheinischen Grundgesetz“, mit dem der Kabarettist Konrad Beikircher die Lebensart im Kölner Umland auf den Punkt gebracht hat, elf Börsenregeln ableiten, die man sich auch im Rest der Republik getrost zu Herzen nehmen darf.

1. Et es wie et es.

Klar, man kann sich aufregen. Etwa über diesen Italiener, der die Zinsen abgeschafft, den deutschen Sparer enteignet und dafür auch noch das Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Das Lamento bringt bloß nichts, außer schlechter Laune und Bluthochdruck. Es ist wie es ist. Wir können die Umstände nicht ändern. Aber darauf reagieren – etwa, indem wir den Nullzins zum Anlass nehmen, endlich vom Festgeld-Sparer zum Investor zu werden.

2. Et kütt wie et kütt.

Können Tech-Aktien noch weiter steigen? Sind Rohstoffe nicht viel zu billig? Wird Tesla der neue Mercedes? Ja. Nein. Vielleicht. Es gibt zehn valide Argumente dafür, zehn dagegen und am Ende bleibt die nüchterne Erkenntnis: Es kommt, wie es kommt. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt – beschäftigen wir uns also lieber damit, unser Vermögen so zu strukturieren, dass wir in jedem halbwegs plausiblen Szenario noch ordentlich leben und gut schlafen können.

3. Et hätt no emmer joot jejange.

Korea-Krise, Kennedy-Attentat, Vietnam-Krieg, Ölpreis-Schock, Y2K-Angst, New Economy-Blase, 11. September, Lehman-Pleite, Euro-Debakel – immer gab es gute Gründe, warum man gerade besser keine Aktien haben sollte. Aber allen Kriegen, Krisen und Crashs zum Trotz: Es ist noch immer gut gegangen. Wirtschaft und Börse haben sich stets wieder berappelt. Der Fortschritt hat weltweit Wohlstand geschaffen. Und wer glaubt, dass das Beste noch immer vor uns liegt, der muss Aktien kaufen.

4. Wat fott es, es fott.

Volksaktie Telekom. Der Neue Markt. Oder Kraft Heinz, wo sogar Investment-Legende Warren Buffett beteiligt ist und der Kurs trotzdem 70% unter Wasser liegt. Ja, manchmal trifft man schlechte Entscheidungen und verliert Geld. Hoffentlich (Regel #2) nie so viel, dass es an die Existenz geht. Dennoch ärgerlich. Aber was weg ist, ist weg. Und wer mit Wut im Bauch versucht, einen Verlust möglichst schnell wieder aufzuholen, geht oft fatale Risiken ein. Deshalb besser kritisch reflektieren, wo man einen Fehler gemacht hat – und dann einen gedanklichen Schlussstrich ziehen.

5. Et bliev nix wie et wor.

Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und irgendwann reich aufwachen. Obwohl er Zeit seines Lebens wild spekuliert hat, warb Jahrhundert-Börsianer André Kostolany für langfristiges Investieren. Gar nicht ins Depot zu schauen, kann allerdings auch teuer werden. Denn es bleibt nichts, wie es war. Die Welt ist im Wandel. Über Generationen erfolgreiche Unternehmen wie die Deutsche Bank oder General Electric verlieren erst den Anschluss und dann ihren Wert. Deshalb lautet die Devise: Buy & Hold & Check – nicht zu oft (Regel #8), aber auf jeden Fall ein bis zweimal im Jahr systematisch überprüfen, ob alle Portfolio-Positionen fundamental auf Kurs sind.

6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

Die Finanzindustrie erbricht einen stetigen Strom neuer Produkte. Hier ein ETF auf einen „globalen Megatrend“. Dort ein Fonds mit „ausgeklügeltem Risikomanagement“. Und obendrauf vielleicht noch lettische Verbraucherkredite oder rumänisches Ackerland? Für 99% dieser „Innovationen“ gilt: Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit – vor allem dann, wenn man nicht binnen fünf Minuten versteht, was da mit dem Geld passiert und wie nach dem Anbieter auch der Anleger verdienen soll.

7. Wat wells de maache!?

Tja. Was willst du machen? Klingt ein bisschen fatalistisch (Regel #1), zielt aber auf das ab, was ganz am Anfang stehen muss: Nicht nur die Frage, mit welcher Erwartung man ein Investment tätigt, wie man es überwacht (Regel #5) und wann man aussteigt. Sondern vor allem wie die übergeordnete Vermögensstrategie aussehen soll, was überhaupt die Ziele sind und was man außer Geld noch aufbringen muss und kann – etwa Geduld oder Risikobereitschaft.

8. Maach et joot, ävver nit zeoff.

Hin und her macht Taschen leer. Ob long, ob short, das Geld ist fort. Oder eben: Mach’s gut, aber nicht zu oft. Geldanlage ist kein Fleißwettbewerb, bei dem gewinnt, wer am häufigsten handelt oder die meisten Aktien analysiert. Die nachhaltig höchsten Renditen fahren Investoren ein, die eine klare Strategie haben, das nervöse Auf und Ab der Kurse ausblenden, von Zeit zu Zeit ins Depot schauen, konsequent ihr Regelwerk anwenden, gegebenenfalls die eine oder andere Position austauschen – und ansonsten ihren Werten Zeit zum Wachsen lassen.

9. Wat soll dä Käu?

Über Anleger-Magazine, Börsenbriefe, Facebook-Gruppen, Webportale und Youtube-Kanäle werden Tag und Nacht unzählige Geistesblitze rund ums Geld abgesondert. Und je mehr man hört und liest, umso größer die Gefahr, dass man Unsinn macht – aus einer Laune heraus einem „heißen“ Aktientipp folgt, eine lange gehegte Depot-Position vorschnell verkauft oder ständig die eigene Strategie in Zweifel zieht und verschlimmbessert. Also: Was soll das sinnlose Gerede? Um als Privatanleger erfolgreich zu sein, braucht es bloß ein paar gute Grundlagen-Bücher, ein Qualitätsmedium mit ordentlichem Wirtschaftsteil und vielleicht ein bisschen Spezial-Content von glaubwürdigen Experten. Wirklich unverzichtbar ist nur der gesunde Menschenverstand. Und natürlich diese elf Börsenregeln.

10. Drinks de ejne met?

Obgleich im Wein die Wahrheit liegt und Gin garantierte 37,5% bringt: Grundsätzlich braucht es in Gelddingen einen klaren Kopf. „Trinkst Du einen mit?“ ist deshalb vor allem eine Aufforderung zur Geselligkeit. Gute Investoren brüten nicht im stillen Kämmerlein vor dem Bildschirm, sondern gehen mit offenen Augen durch die Welt und tauschen sich aus – etwa beim Stammtisch mit anderen Privatanlegern. Aber auch in dem, was Arzt, Optiker, Koch oder Fliesenleger so zu erzählen haben, versteckt sich bisweilen ein wertvoller Investment-Tipp.

11. Do laachs de disch kapott.

Da lachst Du Dich kaputt über das, was manche Crash-Propheten oder Pennystock-Pusher so verzapfen. Ansonsten ist Geldanlage natürlich eine ernste Angelegenheit, weder Spiel noch Spaß und schon gar kein Hobby – denn Hobbies sind oftmals teuer. Doch auch wenn wir rationale Entscheidungen treffen müssen, bleibt Geld ein emotionales Gut. Gebundene Lebensenergie, das Ergebnis von Arbeit und Verzicht, aufgeladen mit Erinnerungen und Hoffnungen. Eine Vermögensstrategie kann deshalb nie nur grimmige Mathematik sein, sondern braucht einen kräftigen Schuss lachende Empathie.


Übrigens: Das Rheinische Grundgesetz für Investoren gibt’s auch als abendfüllenden Vortrag mit aktuellen Beispielen und lehrreichen Anekdoten aus meinem Anlage-Alltag – ideal für Ihre Kundenveranstaltung rund um Aktien, Fonds und privates Vermögensmanagement. Kommt übrigens nicht nur im Rheinland an. Anfragen gerne über das Kontaktformular!

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