Victorias Geheimnis: Dividenden sind sexy

DividendenAdel derzeit unterwegs im Stammland der Ausschüttungs-Aristokratie und auch wenn der Dollar in den letzten zwei Jahren reichlich teuer geworden ist, sind die USA nach wie vor ein Shopping-Paradies – zumindest für die holde Weiblichkeit. Dafür sorgen schon jene über 1.000 rosa-pink gepinselten Läden, von denen es zwischen Flensburg und Garmisch keinen einzigen gibt: Victoria’s Secret.

Bereits seit den 1980er Jahren lässt die Dessous-Marke, die einst Heidi Klum und Tyra Banks auf den Laufsteg schickte und derzeit u.a. mit Alessandra Ambrosio und Lily Aldridge wirbt, Frauenherzen höher schlagen und Kreditkarten glühen. Während viele Mode-Labels, die weder superteuer noch spottbillig sind und sich preislich irgendwo zwischen Hermès und H&M bewegen, oft nur eine kurze Blütezeit erleben, ist VS also ein echter Dauerbrenner.

Daran können auch Aktionäre partizipieren. Das glamouröse Geschäft mit den sexy Stofffetzen ist nämlich Teil von L Brands. Zum Portfolio der börsennotierten Lifestyle-Holding gehören zwar auch noch die mit 1.500 Filialen ebenfalls nicht gerade kleine Parfümeriekette Bath & Body Works und das Handtaschen-Label Henri Bendel. Mit einem Umsatzanteil von rund zwei Dritteln ist Victoria’s Secrets jedoch eindeutig das wichtigste Standbein des sogar im US-Leitindex S&P 500 enthaltenen Unternehmens.

Insgesamt hat L Brands im vergangenen Geschäftsjahr rund 12,1 Mrd. US-Dollar erlöst und dabei nach Steuern rund 1,25 Mrd. US-Dollar verdient. Zehn Prozent Nettomarge können sich durchaus sehen lassen, genau wie das sechsprozentige Plus beim Umsatz. Den Gewinn konnte L-Brands zuletzt sogar um knapp 20% steigern, weshalb man den Anteilseignern im Februar zusätzlich zur regulären Dividende von 0,60 Cent pro Quartal noch zwei Dollar Sonderausschüttung spendierte. Nicht zum ersten Mal: In den letzten sechs Jahren gab es nur 2013 keinen Bonus.

2016-07-01 Dividendenprofil LB US ab 2006-1

Kehrseite dieser üppigen Bescherung ist die Ausschüttungsquote, die auch im mehrjährigen Mittel um 100% pendelt – zumeist ein Warnsignal, wenngleich Dessous und Parfüm nicht so innovations- und damit investitionsintensiv sind, dass man unbedingt fette Kapitalpolster bilden müsste. Allerdings könnte bereits eine kurzfristige Ertragsdelle auf die Dividende durchschlagen und die bislang mustergültige Erfolgsbilanz von mehr als einem Vierteljahrhundert ohne eine einzige Kürzung verhageln.

Auch die Börse sieht L Brands derzeit nicht durch die rosa Brille: Nachdem die Aktie binnen sieben Jahren von unter zehn auf über 100 US-Dollar geklettert war, hat der Kurs deutlich korrigiert. Bei Preisen knapp unter 70 US-Dollar lockt das Unternehmen nun aber selbst auf Basis der regulären Dividende, die selbst während der Finanzkrise nicht angetastet wurde, wieder mit einer Rendite von 3,7 Prozent. Aber aufgepasst: Allein der Vorschlag, statt eines seidigen Spitzen-Sets von Victoria’s Secret lieber zwei L-Brands-Aktien zu kaufen, kann den Familienfrieden empfindlich stören!

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