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Update 2020: Die Deutschland-Strategien aus dem Buch

Die vier DividendenAdel-Kriterien sind eine ebenso einfache wie erfolgreiche Methode, um zuverlässige Dividendenzahler mit nachhaltigem Potential zu identifizieren. Leser des Buches „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ kennen darüber hinaus allerdings noch eine weitere Spielart des „Magischen Vierecks“.

Kürzerer Track Record und stärkerer Payout-Fokus

Kernpunkt dabei ist eine etwas entspanntere Interpretation des Faktors Kontinuität: Statt einem Jahrzehnt ohne Kürzung braucht es lediglich fünf Jahre mit weißer Weste, dafür aber mindestens zwei Anhebungen – davon eine zwingend im Vorjahr. Auf diese Weise rücken auch weniger etablierte Firmen ins Blickfeld, die noch keinen ganz so langen Track Record vorweisen können.

Entsprechend wichtig ist die Qualität, weshalb der Zielkorridor für die Ausschüttungsquote etwas enger bemessen ist (33-75% statt 25-75%). Darüber hinaus gibt es gleich zwei Sortierungen – einerseits wie beim klassischen DividendenAdel nach dem Dividenden-Wachstum, andererseits nach der durchschnittlichen Dividenden-Rendite, beides bezogen auf die letzten fünf Jahre.

Auch diese Strategien, die der Abgrenzung wegen „DividendenStars“ heißen und beide aus den 250 wichtigsten deutschen Aktien auswählen, werden zum Jahresanfang überprüft – und seit dem 9. Januar 2017 auf Finanztreff als Live-Portfolios mit einem anfänglichen Startkapital von 20.000 Euro geführt.

DividendenStars Deutschland Wachstum

Wie der gesamte deutsche Aktienmarkt hat auch die Wachstums-Strategie zuletzt zulegen können. Der Portfolio-Wert beträgt per 10. Januar 2020 einschließlich aufgelaufener Dividenden rund 23.100 Euro. Gegenüber dem Stand von vor einem Jahr (20.100 Euro) entspricht dies allerdings einem Zuwachs, der mit 14% deutlich hinter der Wertentwicklung der DAX-Indices sowie des DividendenAdel Deutschland zurückbleibt.

Die offensivere Aufstellung dieser Strategie trägt also derzeit keine Früchte – insbesondere weil einige im Vorjahr stark gefallene Aktien sich kaum erholt haben (All For One Group, HeidelbergCement, Hochtief, KPS) bzw. sogar gegen den Trend weiter gefallen sind (Technotrans). Hinzu kommt die teure Auktion der 5G-Frequenzen, die dazu geführt hat, dass United Internet nicht nur an der Börse unter Druck gekommen ist, sondern auch die Dividende auf eher symbolische fünf Euro-Cent zusammengestrichen hat.

Aus dieser Perspektive also ein ziemlich maues Jahr – wie es halt bei jeder Strategie immer mal wieder vorkommen kann (bzw. muss, denn sonst hätte man den Heiligen Gral des Investierens gefunden und den gibt es nun einmal nicht). Immerhin ging es mit den Dividenden-Einnahmen weiter aufwärts: Nach 620 Euro in 2017 und 660 Euro in 2018 konnten nun Ausschüttungen im Gegenwert von 676 Euro verbucht werden. Das sind zwar nur ein paar Euro mehr als im Vorjahr. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass seinerzeit eine satte Sonderausschüttung von Sixt geflossen war. Auch die realisierte, auf das Startkapital von 20.000 Euro bezogene Dividendenrendite (Yield on Cost) kann sich mit 3,4% in diesen Zeiten durchaus sehen lassen.

Dennoch gibt es einigen Handlungsbedarf: Neben United Internet hat auch die Aareal Bank ihre Dividende gesenkt. Beide Werte müssen sich nach den strengen Vorgaben deshalb genauso verabschieden wie All For One Group, KPS und Technotrans, wo die Dividende stagniert – aber in dieser Strategie-Definition wollen wir ja positives Momentum sehen. Außerdem muss LEG Immobilien weichen, da die Aktie in der maßgeblichen Selektionsliste nach der Fünf-Jahres-Dynamik der Dividende nur noch auf dem elften Rang und damit unterhalb der Top 10 liegt.

Mit HeidelbergCement auf Platz eins, Hochtief (2), Airbus (6) und Sixt (8) bleiben also nur vier Werte im Portfolio, das nun entsprechend der Liste aufgefüllt wird. Auf diese Weise sind zunächst TLG Immobilien, Deutsche Wohnen und Adidas mit dabei. Anschließend wäre Vonovia an der Reihe, allerdings sind bereits zwei Betongold-Firmen enthalten – und da größere Branchenklumpen definitionsgemäß vermieden werden sollen, wird der DAX-Konzern übersprungen. Stattdessen geht es mit den Neuaufnahmen erst auf dem neunten Rang weiter, so dass neben MTU Aero Engines und Elmos Semiconductor auch CTS Eventim den Sprung in die 2020er Aufstellung schafft.

DividendenStars Deutschland Rendite

Deutlich besser entwickelt als die Wachstumswerte hat sich die Rendite-Selektion. Ausgehend von 19.600 Euro am 14. Januar 2019 hat sich der Portfolio-Wert um knapp 30% auf über 25.200 Euro erhöht. Daneben sind auch die Dividendenerträge weiter angestiegen: Von 726 Euro in 2018 über 900 Euro in 2018 auf nunmehr 980 Euro, obwohl auch hier der Basiseffekt der Sixt-Sonderdividende vom Vorjahr zu kompensieren war. Die Yield-on-Cost beläuft sich damit jetzt schon auf fast fünf Prozent – ein hervorragendes Ergebnis, gerade weil diese Ausschüttungsrendite anders als etwa beim DAXplus Maximum Dividend Index/ETF nicht zulasten der mittelfristigen Gesamtrendite geht.

Im Einklang mit dem Regelwerk finden aber auch hier Umschichtungen statt. Daimler und Aareal Bank, die beide die Dividende gesenkt haben, müssen das Portfolio verlassen – und werden dabei von der Deutschen Post begleitet, die 2019 eine gegenüber dem Vorjahr unveränderte Ausschüttung gezahlt hat.

Darüber hinaus steht auch der Abschied von Siemens und Sixt an, die in der maßgeblichen Selektionsliste nur noch die Ränge 13 und 15 belegen und deshalb völlig unabhängig von qualitativen Einschätzungen (die ich anderer Stelle oft genug kundgetan habe) im Rahmen DIESER Strategie verkauft werden. Auch nicht ganz unerheblich: Abgesehen von der Daimler-Aktie, die um die Nulllinie dümpelt, werden mit allen Verkäufen zweistellige Gewinne realisiert. Spitzenreiter ist Sixt mit einem Kursplus von knapp 80% über die dreijährige Haltedauer.

Es verbleiben also fünf Werte im Portfolio: DIC Asset (in der neuen Selektionsliste sogar Spitzenreiter), Allianz (Platz 3) und Talanx (5) sowie mit der Deutschen Euroshop (7) und BASF (9) auch die beiden einzigen Positionen, die derzeit im Verlust liegen. Erste Nachrücker wären nun Münchener Rück und Hannover Rück auf den Rängen zwei und vier. Da jedoch bereits zwei Versicherer im Portfolio enthalten sind, werden diese beiden Qualitätsaktien übersprungen. Die fünf Neuaufnahmen starten also erst auf dem sechsten Rang mit der Deutschen Beteiligungs AG, gefolgt von der Deutschen Telekom (8), Axel Springer (10), Villeroy & Boch (11) sowie HHLA Hafen Hamburg auf Rang 14 – da TLG zwei Plätze zuvor der dritte Immobilien-Wert wäre.

Umgesetzt werden die Umschichtungen am 13. Januar 2019 auf Xetra-Schlusskursbasis, wobei neben dem Erlös aus den Verkäufen jeweils auch die im Vorjahr aufgelaufenen Dividenden pro rata auf die Käufe verteilt werden.

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