United Internet zwischen DividendenAdel und Alibi-Ausschüttung

Bei den meisten Aktiengesellschaften gibt’s mit den Jahreszahlen auch gleich einen Dividendenvorschlag. Nicht so bei United Internet, wo heute nur zwei Szenarien mitgeteilt wurden. Kommt die ebenfalls börsennotierte 73%-Tochter 1&1 Drillisch bei der derzeit laufenden Auktion der 5G-Frequenzen zum Zuge, bräuchte United Internet viel Geld für den Netzausbau – und würde die Ausschüttung drastisch von zuletzt €0,85 auf eher symbolische €0,05 je Aktie zusammenstreichen. Geht der Konzern beim neuen Mobilfunkstandard dagegen leer aus, sollen auf jeden Anteilsschein €0,90 ausgezahlt werden.

United Internet an der Schwelle zum DividendenAdel

Ob die noch immer von Gründer und Großaktionär (39%) Ralph Dommermuth geführte Firma das zehnte Jahr ohne Kürzung voll macht und damit auch die letzte DividendenAdel-Hürde nimmt, steht also weiter in den Sternen. Genau wie das künftige Profil des Unternehmens, das in den letzten zwölf Monaten rund 50% seines Börsenwerts eingebüßt hat.

DividendenAdel Profil United Internet

Profitable Stagnation oder teures Wachstum?

Bleibt United Internet ein Mobilfunk-Provider, Anschluss-Vermarkter und Web-Hoster – mit stabilen Erträgen, aber eben ohne eigenes Netz und damit in der 5G-Ära womöglich nicht mehr konkurrenzfähig? Oder steigt man zu einer echten Nummer vier im deutschen Telefonmarkt auf, erschließt mit bekannter Marketing-Power neue Geschäftsmodelle – muss aber auf Jahre hinaus Milliarden-Investitionen schultern?

Auf den „Investment Case“ kommt’s an

Was für Anleger besser ist, lässt sich wohl erst im Nachhinein sagen. Auf jeden Fall ist der TecDAX-Dino ein klassisches Beispiel für „Buy & Hold & Check“. Wer eigentlich bloß ein dynamisches Income-Investment im Telekom-Sektor wollte, wird die Aktie auf die Verkaufsliste setzen, wenn es einen Zuschlag gab. Denn spätestens dann ist die ursprüngliche Anlage-Motivation nicht mehr intakt.

Bayer als Warnung

Sofern man nicht schon seit 2014 dabei ist, realisiert man dabei zumeist Verluste. Doch manchmal ist ein Ende mit Schrecken ja besser als ein Schrecken ohne Ende. Das lehrt nicht zuletzt die Causa Bayer – wo der „Investment Case“ sich ebenfalls fundamental schoben hat. Als sich vor einem Jahr abzeichnete, dass der Monsanto-Deal durchgehen und eine hochprofitable Pharma-Boutique eine sprichwörtliche „Poison Pill“ schlucken würde, konnte man die Aktie noch zu Preisen um €100,00 loswerden. Jetzt werden dafür nur noch €56,00 bezahlt.

Eher Value- als Qualitäts-Aktie

Das soll natürlich nicht heißen, dass es bei United Internet ähnlich kommen muss. Ganz im Gegenteil: Anders als bei Bayer steht hier ganz oben kein bezahlter Manager, sondern ein Unternehmer mit richtig „Skin in the Game“, der schon ein paar Transformationen erfolgreich bewältigt hat – und wer mit im Boot war, hat prächtig daran verdient. Nur ist das eben ein anderes Investment-Motiv, das (zumal auf diesem Bewertungsniveau) eher in der Value- als in der Qualitäts-Ecke verortet ist.

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