Dividenden-Idylle Schweiz: Mehr als Roche, Novartis und Nestlé

Noch schlechter als in Deutschland ist das Zinsumfeld nur in der Schweiz. Während die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ziemlich exakt auf der Nulllinie liegt, kassiert die Eidgenossenschaft sogar ein halbes Prozent pro Jahr dafür, sie bis 2026 aufs Geld aufpasst. Gleichzeitig gilt der Franken nach wie vor als „sicherer Hafen“, den man freilich nicht unbedingt mit Konten oder Anleihen ansteuern muss. Auch Aktien können eine Alternative sein – gerade weil die Ausschüttungsqualität in der Alpenrepublik noch höher ist als hierzulande.

Nur ein Schweizer Top-Unternehmen 2016 ohne Dividende

Exakt 20 Unternehmen sind im Züricher Leitindex SMI enthalten, ebenfalls noch halbwegs liquide handelbar sind die 30 Titeln aus dem nachgeordneten SMI Mid – und von diesen insgesamt 50 Aktien hat zuletzt nur der Duty-free-Händler Dufry seine Aktionäre leer ausgehen lassen. Alle anderen haben brav gezahlt, darunter immens viele „Wiederholungstäter“: Zwei Drittel der eidgenössischen Börsenfirmen schütten seit mehr als zehn Jahren ohne Unterbrechung aus, bei knapp einem Fünftel fließt der Dividendenstrom sogar schon seit mindestens einem Vierteljahrhundert. Und mit Roche hat die Schweiz überdies einen reinrassigen Ausschüttungs-Aristokraten, der seine Dividende seit über 25 Jahren kontinuierlich erhöht.

Optimale Bedingungen also für unseren vierstufigen DividendenAdel-Filter nach der bewährten Methodik des „Magischen Vierecks“. Dabei überspringen immerhin 17 Firmen die erste Hürde von mindestens zehn Jahren ohne Dividendenkürzung. Bemerkenswert dann Phase zwei, die sich um die Payout-Politik dreht: Nur der Maschinenbauer Sulzer fällt durchs Raster, nachdem über die letzten drei Jahre hinweg mehr ausgeschüttet als verdient hat. Bei den übrigen Unternehmen bewegt sich die Ausschüttungsquote dagegen innerhalb unseres von 25% bis 75% bemessenen Zielkorridors. Der Durchschnitt liegt übrigens bei 57%, womit die Adels-Anwärter in der Eidgenossenschaft etwas großzügiger sind als etwa in Großbritannien oder den USA, wo eine hohe Kontinuität häufig mit Quoten um 30% einhergeht.

Auch bei der Rendite gibt sich keiner der Kandidaten eine Blöße. Alle 16 Gesellschaften kommen sowohl im Durchschnitt der letzten fünf Jahre als auch aktuell auf eine Dividendenrendite von mehr als einem Prozent. Bleibt also als vierte und letzte Stufe der Wachstumsfilter, wo neben dem Saatgut- und Pflanzenschutz-Spezialisten Syngenta, den sich gerade wohl ChemChina einverleibt, auch die Baseler Versicherungsholding Baloise sowie der Spezialchemie-Konzern Lonza hängen bleiben: Das Trio hat 2016 die Dividende bloß konstant gehalten statt erhöht.

DividendenAdel aus der Schweiz – Mehr als Nesté Roche Novartis

Macht also schlussendlich 13 Firmen, die wir nun nach dem durchschnittlichen Dividenden-Wachstum der letzten fünf Jahre ordnen, um auf unsere aktuelle Top 7-Selektion zu kommen. Ganz oben thront dabei mit einem jährlichen Ausschüttungs-Plus von 18% p.a. ein Unternehmen, das vielen deutschen Investoren kaum bekannt sein dürfte – trotz eines Börsenwerts von umgerechnet über 7 Mrd. Euro und einer Branche, die genauso „typisch Schweiz“ ist wie Uhren, Schokolade oder Private Banking: Galenica ist ein diversifizierter Healthcare-Konzern, der nicht nur Medikamente entwickelt und produziert, sondern auch Apotheken betreibt und in der Pharma-Logistik aktiv ist.

Nach einer größeren Übernahme und schwächeren Zahlen ist die Firma an der Börse derzeit in Ungnade gefallen. De Aktie notiert bei Kursen um 1.150 Franken knapp 30% unter dem Ende 2015 markierten Allzeit-Hoch. Die nächste Dividendenerhöhung – es wäre die 14. in Serie – dürfte allerdings abgesichert sein: Nachdem in der Vergangenheit stets nur ein Drittel der Gewinne ausgeschüttet wurde, ist nun ein stattliches Polster vorhanden, um eine oder zwei Ertragsdellen auszubügeln.

Nur zwei SMI-Konzerne in den Top 7

Die übrigen Mitglieder unseres Septetts sind derweil auch hierzulande populär – vielleicht abgesehen von der Partners Group, die vom Steuerparadies Zug aus binnen zwei Jahrzehnten zu einem der Top-Player im internationalen Private Equity-Geschäft avanciert ist. Hinzu kommen große Namen wie der Aufzughersteller Schindler, der Hörgeräte-Riese Sonova, der Technologie-Konzern ABB und natürlich Lindt & Sprüngli.

Die „Chocoladefabriken“ feiern in diesem Jahr ein rundes Jubiläum: 20 Dividendenerhöhungen in Folge und da sind die vier Kilogramm „Schoggi“, die bei jeder Generalversammlung im legendären blauen Koffer an die Anteilseigner verteilt werden, noch gar nicht eingerechnet. Ohnehin ist das kalorienreiche „Bhaltis“ für die Namensaktien des „Maître Chocolatier“ reserviert, die mit einem Preis von derzeit 67.000 Franken allerdings nicht für jeden Geldbeutel infrage kommen. Die in unserer Tabelle gelisteten stimmrechtslosen Partizipationsscheine – mit Bar-, aber ohne Naturaldividende – gibt’s dagegen schon zum Schnäppchenpreis von rund 5.500 Fränkli.

Grundausrüstung bringt Rendite statt Wachstum

Und was ist mit Roche, Novartis, Nestlé – sozusagen dem Schweizer Taschenmesser der Dividenden-Jäger, der eidgenössischen Grundausrüstung für ausschüttungsorientierte Portfolios? Das Trio zählt natürlich ebenfalls zum DividendenAdel, allerdings erst auf den Plätzen acht bis zehn. Denn sortiert wird ja nach der Dividenden-Dynamik der letzten fünf Jahre und diesbezüglich sehen die beiden Pharma-Riesen und der Nahrungsmittel-Multi mit Zuwächsen zwischen 2,9% und 3,5% p.a. eher mau aus.

Dafür locken die „glorreichen Drei“ bei der für die nächsten zwölf Monate zu erwartenden Rendite mit einer Drei vor dem Komma, während unsere Top 7 Qualitäts-Selektion nur auf 2,1% kommt. Unabhängig davon gilt es aus deutscher Sicht allerdings zwei Themen zu beachten: Erstens unterliegen Dividenden aus der Schweiz einem Quellensteuerabzug, wodurch die fiskalische Belastung für einen Privatanleger zunächst höher ausfällt als bei inländischen Aktien. Die zu viel gezahlte Steuer kann man sich indes bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung zurückholen, was das Einsenden eines richtig ausgefüllten Formulars voraussetzt, ansonsten aber reibungslos funktioniert.

Zweitens hängt die Wertentwicklung von Schweizer Aktien auch am Franken. In den letzten zwölf Monaten hat die EUR/CHF-Relation sich zwar in einem engen Korridor zwischen 1,08 und 1,11 bewegt – was jedoch nichts daran ändert, dass die eidgenössische Währung rein fundamental betrachtet hoffnungslos überbewertet ist. Sofern die Angstprämie herausgepreist werden sollte, könnten schnell empfindliche Wechselkursverluste auflaufen, die wohl nur teilweise durch steigende Firmengewinne und Dividenden aufgefangen würden. Allerdings gibt es für eine solche Trendwende derzeit keinerlei Anzeichen. Auch wegen der Qualität der Unternehmen halten wir in einem globalen Depot 5-15% Schweiz-Anteil nach wie vor für angemessen.

Klicken Sie sich hier durch die DividendenAdel-Profile der Top 7 (Doppelklick vergrößert die Ansicht):

2016-08-25 Dividendenprofil 01 GALN VX ab 2006-1
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