Telekom-Aktien: Freizeichen für Rendite

„Ich sag nur T.I.M.E.S.“, schwadronierte Werbe-Botschafter Manfred Krug anno 2000 beim dritten Börsengang der Deutschen Telekom. Eine coole Formel, um dem Volk zum sagenhaften Preis von 66,50 Euro neue T-Aktien anzudrehen: Telekommunikation, Internet, Multimedia, Entertainment und Systeme – das sollte sie sein, die rosarote Zukunft des magenta angepinselten Ex-Monopolisten.

Netz-Infrastruktur statt Media-Content

Die Euphorie hielt freilich nur ein paar Monate. Nachdem die zeitweise sogar zu dreistelligen Preisen gehandelte Volksaktie genauso implodiert war wie der traurige Rest der „New Economy“, wurde die Deutsche Telekom in zahllosen Rationalisierungs-, Konsolidierungs- und Restrukturierungs-Runden vom heißen Wachstums-Unternehmen zur grundsoliden Infrastruktur-Firma umgemodelt. Dasselbe passierte auch in anderen Ländern, etwa bei der spanischen Telefonica, die sich im Überschwang der Gefühle für schlappe fünf Milliarden Euro sogar den TV-Produzenten Endemol („Big Brother“) einverleibt hatte: Weg mit all den ambitionierten Media-, Content- und Portal-Aktivitäten, stattdessen volle Konzentration aufs Kerngeschäft rund um stationäre und mobile Telefon- und Daten-Netze.

AT&T als aristokratisches Vorbild

Das Netz-Business ist zwar alles andere als glamourös, sorgt aber für stabile Erträge – und üppige Ausschüttungen. Als Vorbild dient dabei AT&T: Die 1885 vom Telefonie-Pionier Alexander Graham Bell begründete „American Telephone & Telegraph Company“ hat ihre Dividende seit 1985 Jahr für Jahr erhöht und qualifiziert sich damit auch nach der strengen Definition der Wall Street (25+ Anhebungen in Folge) als reinrassiger „Dividend Aristocrat“. Einen solchen Track Record kann keine andere der gut 60 internationalen Telefongesellschaften vorweisen, die im Bloomberg World Telecom Index enthalten sind.

Überdies liegt AT&T im Rendite-Ranking des amerikanischen Ausschüttungs-Adels hinter der Immobilienfirma HCP auf dem zweiten Platz. Obwohl der Kurs allein in diesem Jahr knapp 20% zugelegt und damit den S&P 500 (+6,5%) deutlich überflügelt hat, dürfen Investoren für die nächsten zwölf Monate mit einer Dividendenrendite von 4,7% kalkulieren. Dieser Wert kommt natürlich nicht von ungefähr – denn wie die meisten Telefon-Firmen leistet sich auch AT&T eine Ausschüttungsquote außerhalb des DividendenAdel-Zielkorridors (25-75%). Geglättet über drei Jahre verteilt der US-Konzern mehr als vier Fünftel des Gewinns bzw. rund 75% des Free Cash Flows an die Aktionäre.

Problem Großzügigkeit: Dividenden aus der Substanz

Für Investitionen in das Netz bleibt also nicht allzu viel übrig, wenngleich AT&T verglichen mit anderen Telekom-Firmen noch maßvoll ist: Ein Drittel der von uns untersuchten Unternehmen hat zuletzt mehr ausgeschüttet als verdient und damit die Substanz angeknabbert, um die Anteilseigner glücklich zu machen. Das ist gleichzeitig der Grund, warum in unserer Top 7 Selektion Branchengrößen wie die finnische Telenor oder die schwedische Telia fehlen, obwohl beide Firmen nicht nur mit fetten Renditen von 5,6% bzw. 7,8% locken, sondern mit sieben bzw. 14 Jahren ohne Dividendenkürzung auch in puncto Kontinuität mehr zu bieten haben als etwa die niederländische KPN oder die Deutsche Telekom – die für uns schon deshalb keine Rolle spielt, weil die Dividende erst vor drei Jahren gesenkt und gerade zum ersten Mal seit 2008 erhöht wurde (siehe HV-Bericht).

Top 7 Telekom Freizeichen für Rendite

Darüber hinaus ist der hohe Payout nicht der einzige Schwachpunkt von AT&T. Mindestens ebenso kritisch sehen wir die mangelnde Dynamik. Denn im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wurde die Dividende gerade einmal um 2,2% p.a. angehoben und selbst für das letzte Vierteljahrhundert steht nur ein Wachstum von 4,1% p.a. zu Buche. Im Klartext: Der Gigant ist zwar ein äußerst sicherer Zahler, doch viel mehr als die derzeitige Rendite dürfte auf absehbare Zeit nicht drin sein. Dasselbe gilt nicht nur für den direkten Konkurrenten Verizon, dessen Ausschüttungsquote mit 61% deutlich besser zum kapitalintensiven Netz-Geschäft passt. Auch Singapore Telecom – die einzige Schwellenländer-Aktie in unserer Selektion – sowie die australische Telstra sind ebenso renditestark wie zuverlässig, treten aber tendenziell auf der Stelle.

Wachstumsstarke Telekom-Titel aus Japan und Kanada

Wer Wachstum sucht, muss deshalb an anderer Stelle Abstriche machen. Die japanische KDDI etwa, hinter dem Platzhirsch NTT die Nummer zwei im Land der aufgehenden Sonne, kommt zwar – auch wegen der mit 39% eher defensiven Payout-Quote – nur auf 2,6% Dividendenrendite, konnte ihre Ausschüttung aber zuletzt um durchschnittlich 25% p.a. steigern. Mit 14 Anhebungen in Folge gehört KDDI darüber hinaus zu den zuverlässigsten Dividendenzahlern Asiens. Diese Qualität spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Der hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht, während der Nikkei parallel „nur“ knapp 90% zulegen konnte.

Nicht ganz so beeindruckend, aber immerhin klar zweistellig ist die Dividenden-Dynamik bei der britischen BT Group – allerdings nur für die letzten fünf Jahre, nachdem im Seuchenjahr 2009 drei Viertel der Ausschüttung gestrichen wurden. Seitdem ging es in sieben Schritten wieder nach oben. Das Vorkrisen-Niveau hat die Dividende aber noch immer nicht erreicht. Dafür überzeugt der früher als British Telecom firmierende Konzern mit einer nah am Optimum liegenden Ausschüttungsquote von 47% und einer daran gemessen stattlichen 3,8% Rendite.

Bleibt noch Telus, mit umgerechnet 17 Mrd. Euro Börsenwert das kleinste Mitglied unseres Telekom-Septetts. Nur beim Payout liegt die zweitgrößte Telefongesellschaft Kanadas marginal außerhalb unseres Zielkorridors. Ansonsten aber ist das Unternehmen aus dem Ahorn-Land vornehmster DividendenAdel: Seit 13 Jahren steigt die Ausschüttung Jahr für Jahr mit zweistelliger Dynamik und trotz des kürzlich erklommenen Allzeithochs ist die Rendite fast genauso hoch wie bei AT&T.

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2016-09-22 Dividendenprofil 9433 JP ab 2006-1
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