Die Früchte des Ahorns: Kanada ist Top-Revier für Dividendenjäger

An vielen Auslandsaktien hatten Anleger in den letzten Monaten nur wenig Freude. Was die Kurse zugelegt haben, ging auf der Währungsseite verloren – nicht nur in den USA, auch in Großbritannien oder der Schweiz. Langfrist-Investoren sollte das weitgehend egal sein, zumal uns die Euro-Schwäche in den Vorjahren kräftige Zusatzgewinne beschert hat.

Can-Dollar mit geringeren Ausschlägen

Doch die Wechselkurse haben ja nicht nur Einfluss auf den Depotwert, sondern auch auf die laufenden Dividendenerträge. Wer stabile Cashflows will, sollte deshalb neben dem unvermeidlichen US-Dollar auch Währungen im Portfolio haben, die nicht ganz so kräftige Ausschläge zeigen wie der „Greenback“.

2017-09-03 Vergleich EURCAD EURUSD Kanada Dollar-1

Neben norwegischen, schwedischen oder dänischen Kronen drängt sich hier der Kanadische Dollar auf. Seit der Euro-Einführung 1999 beläuft sich die durchschnittliche Abweichung der EUR/CAD-Relation von ihrem Mittelwert auf 6%. Die Schwankungen sind damit nur halb so hoch wie beim US-Dollar.

Toronto ist Dividenden-Hochburg

Hinzu kommt: In Kanada gibt’s gerade für Income-Investoren eine große Auswahl an Top-Unternehmen. Im Leitindex S&P/TSX 60 erfüllt fast die Hälfte der Firmen alle vier DividendenAdel-Kriterien. So hoch ist die Qualitäts-Quote nicht einmal in den USA. In Toronto könnte sie sogar noch höher sein – wenn da nicht der Rohstoff-Sektor wäre. Vor allem die Goldminen sind unsichere Kantonisten. Nur Franco-Nevada kann eine blütenweiße Historie von zehn Anhebungen in Folge vorweisen. Sofern der Goldpreis nicht bald kräftig anzieht, ist es angesichts einer Payout-Quote von über 100% aber bloß eine Frage der Zeit, bis diese Erfolgssträhne reißt.

2017-09-03 Top 7 Kanada Die Früchte des Ahorns-1

Auch die meisten Öl-Firmen aus Kanada knabbern derzeit an der Substanz. Rühmliche Ausnahme ist Imperial Oil, mit einem Umsatz von gut 25 Mrd. Can-Dollar die Nummer 19 im internationalen Geschäft mit dem schwarzen Gold. Das 1880 gegründete Unternehmen, zu 70% im Besitz des US-Multis Exxon Mobil, schüttet seit jeher nur einen kleinen Teil seiner Gewinne aus. Auch jetzt liegt der Payout selbst auf Basis bereinigter Ergebnisse nur bei einem Drittel. Gemessen daran sind 2% Dividendenrendite gar nicht so schlecht und einen Track Record von 23 Anhebungen in Folge können auch nicht mehr viele Ölgesellschaften vorweisen.

Eisenbahn gibt Dampf auf die Dividende

In die Top 7 Kanada schafft Imperial es dennoch nicht. Dafür ist die Dividenden-Dynamik mit zuletzt 6% p.a. zu gering. Maßstäbe setzt hier Canadian National Railway: Die größere der beiden Eisenbahngesellschaften hat ihre Ausschüttung im Durchschnitt der letzten fünf Jahre um 17% gesteigert und kommt auch über längere Zeiträume auf ein dick zweistelliges Wachstum – wohlgemerkt in Verbindung mit einer nach wie vor sehr moderaten Payout-Quote von rund einem Drittel.

2017-09-03 CANADIAN NAT'L RAILWAY DividendenAdel-Profil ab 2007-1

Das Plus bei der Dividende ist also ein Spiegelbild der operativen Entwicklung. Dabei profitiert Canadian National Railway natürlich vom Wirtschaftsboom der letzten Jahre – der nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass das Transport-Geschäft ziemlich zyklisch ist. Gemessen daran ist die Bewertung mit dem 20-fachen Gewinn nicht mehr günstig, obschon die Krisen der Vergangenheit den Eisenbahnern nicht wirklich etwas anhaben konnten: Canadian National Railway hat die Dividende nun 22 Jahre in Folge angehoben.

Alle Banken sind DividendenAdel

Sehr stabil präsentiert sich auch der Finanzsektor. Alle acht im S&P/TSX Index vertretenen Banken sind lupenreiner DividendenAdel und konnten ihre Ausschüttungen sogar während der Finanzkrise mindestens stabil halten. Die beiden kleinsten Häuser – Canadian Western und Laurentian Bank bringen nur gut 2 Mrd. Can-Dollar auf die Waage – haben damals sogar angehoben.

2017-09-03 TORONTO-DOMINION DividendenAdel-Profil ab 2007-1

In erster Instanz sollten deutsche Investoren auf Dividendenjagd in Kanada sich jedoch auch mit Blick auf die Handelbarkeit an die Großbanken halten. Diese weisen allesamt ähnliche Kennzahlen auf. Die Royal Bank of Canada ist der Platzhirsch, Toronto-Dominion als Nummer zwei punktet bei der Dynamik (und vertritt die Branche deshalb in der Top 7) und die Canadian Imperial Bank of Commerce lockt mit der höchsten Rendite – trotz einer idealtypischen Payout-Quote von 50% winken 4,9%.

Top-Versicherungen gibt’s nicht nur in Kanada

Also eigentlich der perfekte Rahmen für eine praktische Paketlösung à la Index-Zertifikat, denn mindestens eine Bank aus Kanada gehört auf jeden Fall in ein gut diversifiziertes Income-Depot. Mit Intact Financial schafft es darüber hinaus ein Versicherer in die Top 7, wobei ein Engagement erst in zweiter oder dritter Instanz infrage kommt – denn anders als bei den Banken gibt’s hier ja auch Alternativen aus der Heimat. Die Allianz hat zwar keine ganz so weiße Weste wie Intact mit 13 Anhebungen in Folge. Dafür bietet der DAX-Wert aus München bei identischem Payout mehr Rendite (4,3% vs. 2,6%).

Hohe Renditen im Infrastruktur-Sektor

Spannender sind da Infrastruktur-Werte aus Kanada. Beim Energieerzeuger Emera und der Telefongesellschaft Telus winken mehr als 4,5%. Dabei liegen die Ausschüttungsquoten auf Basis der GAAP-Jahresüberschüsse leicht außerhalb des DividendenAdel-Korridors. Drückt man ein Auge zu und legt stattdessen bereinigte Gewinne, sinkt der Payout aber auf ein im internationalen Branchenvergleich moderates Niveau.

2017-09-03 TELUS CORP DividendenAdel-Profil ab 2007-1

In Verbindung mit der langjährigen Kontinuität und der durchaus akzeptablen Dynamik resultiert daraus ein spannendes Profil. Bei Emera stört allerdings die hohe Verschuldung: Wenn die Zinsen steigen, kann eine Debt-to-Equity-Ratio von über 50% schnell zum Problem werden.

Bauchladen auf Wachstumskurs

Abgerundet wird die Top 7 Kanada durch zwei Spezialitäten mit niedriger Rendite und starker Dynamik. Canadian Tire war ursprünglich ein Autoteilehändler, hat im Laufe der Jahrzehnte aber auch Treibstoffe, Sportartikel, Mode und Finanzdienstleistungen ins Sortiment genommen. Hinzu kommt umfangreicher Immobilienbesitz. Ein ziemlicher Bauchladen also, was die Bewertung schwierig macht – und ein Grund dafür sein dürfte, dass die Aktie nicht einmal mit dem 14-fachen Gewinn bezahlt wird. Hinzu kommt, wie bei allen Händlern, das Damoklesschwert Amazon. Bislang zeigt das Geschäft allerdings noch keinerlei Bremsspuren.

Rendite wie Magerquark, KGV auf Vollfett-Niveau

Eine saubere Wachstumsstory hat auch Saputo aufs Parkett gelegt. Die in den 1950er Jahren von einem italienischen Einwanderer gegründete Molkerei zahlt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich steigende Dividenden. Weil nur gut ein Drittel des Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet wird, sieht die Rendite ein bisschen nach Magerquark aus – während sich das Kurs/Gewinn-Verhältnis mit knapp 21 auf Vollfett-Niveau zubewegt.

2017-09-03 SAPUTO INC DividendenAdel-Profil ab 2007-1

Viele Nahrungsmittel-Aktien aus den USA, wo Saputo rund die Hälfte seiner Umsätze erwirtschaftet, sind inzwischen deutlich günstiger. Allerdings hängt das Geschäft von Campbell Soup, Hormel Foods und Konsorten an wenig zeitgemäßem Dosenfraß. Die Milchprodukte von Saputo hingegen passen besser zum gestiegenen Bewusstsein für gesunde Ernährung. Das rechtfertigt einen Bewertungsaufschlag. Hinzu kommt ein Schuss Übernahmephantasie: Über  40% der Aktien liegen bei der Familie Saputo, die sich immer wieder gern an cleveren Finanz-Transaktionen beteiligt.

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