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Rheinmetall rüstet sich für bessere Zukunft

Dividende von 0,30 auf 1,10 Euro rauf, die stärkste Anhebung unter allen 160 Firmen der DAX-Familie – eigentlich hätte die Stimmung auf der heutigen Hauptversammlung von Rheinmetall so sonnig sein müssen wie das Berliner Maiwetter.

Dennoch herrschte unter den rund 250 anwesenden Aktionären lange Zeit ein eher bräsiges Klima. Vielleicht lag’s ja an der miesen Verpflegung, denn „Würstel-Wut“ à la Daimler konnte schon deshalb nicht aufkommen, weil nur Papp-Brötchen mit Biege-Wurst und Gummi-Käse aufgetischt wurden. Dazu gab’s reichlich Torten – leider nicht zum Essen, bloß als graphische Powerpoint-Garnitur zur reichlich ermüdenden Vorlesung von Vorstandschef Armin Papperger, der ein großartiger Manager ist, aber seine Erfolge durchaus etwas offensiver verkaufen dürfte.

Denn Rheinmetall hat 2015 einerseits den Turnaround im Rüstungsbereich geschafft und andererseits das Automotive-Geschäft sehr konsequent auf neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte ausgerichtet. Nach zwei schwierigen Jahren steht der MDAX-Konzern (abgesehen vom Free Cash Flow) bei fast allen Kennzahlen wieder sehr gut da – sogar in den kritischen Augen von Anlegerschützer Marc Tüngler. Der Hauptgeschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) wartete mit einer launigen Replik und gewohnt pointierten Fragen auf, während der Kollege von der SdK (Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre) ins Chauvi-Fettnäpfchen trat, als er mit Blick auf die Aufsichtsrats-Nominierung von Marion Weissenberger-Eibl die Frage „Geschlecht oder Qualifikation?“ stellte. Die Dame ist nicht nur Ingenieurin, Hochschullehrerin und Leiterin eines Fraunhofer-Instituts, sondern bringt überdies AR-Erfahrung mit (HeidelbergCement, MTU Aero Engines).

Unser Augenmerk lag natürlich auf der Dividende. Bis zur Finanzkrise hatte Rheinmetall die Ausschüttung ein Jahrzehnt lang nicht gesenkt und nach dem Ausrutscher 2009 gab es sogar neue Rekorde, bevor die Krise im Rüstungsgeschäft dann zu zwei saftigen Kürzungen führte. Und nun gibt’s im Geschäftsbericht nur eine reichlich verschwurbelte Aussage zur mittel- bis langfristigen Dividendenpolitik: „Die Höhe der Dividende ergibt sich aus dem Geschäftsverlauf und einer am Ergebnis orientierten Ausschüttungsquote.“

2016-05-10 Dividendenprofil RHM GR

Auf unsere Nachfrage wagten CEO Papperger und CFO Helmut Merch dann jedoch eine Präzisierung: Künftig sollen 30-35% vom Konzernergebnis ausgeschüttet werden. Mehr sei nicht drin, denn für sein investitionsintensives Geschäft brauche der Konzern eine dicke Kapitaldecke. Erfreulich übrigens, dass alle Fragen – auch die wirklich heiklen – in freier Rede und planem Deutsch beantwortet wurden, während viele Vorstände sich in der HV-Aussprache auf das Vorlesen von juristisch glattgebügelten Textschnipseln beschränken.

Das ändert nichts daran, dass Rheinmetall vom DividendenAdel so weit entfernt ist wie Fortuna Düsseldorf von der 1. Bundesliga. Zwar scheint die Zwei-Säulen-Firma inzwischen wieder auf Kurs, doch bevor ein Engagement für uns zur Diskussion steht, müssen ein paar Jahre mit steigenden Ausschüttungen ins Land gehen. Und wer an seine Investments strenge ethische Maßstäbe anlegt, wird Rheinmetall wegen der Rüstungssparte – deren wichtigster Kunde übrigens weiterhin die Bundeswehr ist – ohnehin meiden wie der Teufel das Weihwasser.