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LVMH senkt die Dividende: Statistik im Eimer, Qualität intakt

Zum ersten Mal seit 1993 senkt LVMH die Dividende. Eindeutiges Signal: This time is different! Denn weder 2000-03 noch 2008/09 waren die Läden dicht. Damals jeweils einstelliger Umsatzrückgang, jetzt allein im ersten Quartal 17% Minus – obwohl der globale Lockdown erst im März begonnen hat. Auf Sechs-Monats-Basis werden die Erlöse des Luxus-Konglomerats wohl eher um 30-35% schrumpfen.

Dass Firmenchef und Großaktionär Bernard Arnault in dieser Ausnahmesituation mehr Geld im Unternehmen lassen will als zunächst geplant, ist verständlich – zumal Finanzminister Bruno Le Maire französischen Firmen Vergünstigungen bei Steuern und Sozialabgaben in Aussicht gestellt hat, wenn Gewinne reinvestiert statt ausgeschüttet werden.

Kürzung ist ein K.o.-Kriterium…

Gleichwohl: Kürzung bleibt Kürzung. Und wenn die traditionell im Dezember gezahlte Interimsdividende die Delle nicht noch ausbügelt (was ich für sehr unwahrscheinlich halte), wird LVMH per Ultimo 2020 aus dem DividendenAdel Eurozone fliegen. Denn bei einer rein regelbasierten Strategie, die den Dividenden Track Record ins Zentrum rückt, ist eine Kürzung nun mal ein K.o.-Kriterium.

…aber Qualitätskennzahlen werden durcheinander gewirbelt

Doch abgerechnet und umgeschichtet wird wie in den Vorjahren erst zum Jahreswechsel. Bis dahin bleibt LVMH (wie alle anderen Aktien auch) im Strategie-Portfolio. Und wie die DividendenAdel-Listen 2021 aussehen wird? Keine Ahnung. Fakt ist: Sämtliche zeitraumbezogenen Qualitätskennzahlen – Dividenden Track Record genauso wie Gewinnstabilität oder Wachstumsraten – werden durch COVID19 komplett durcheinander gewirbelt. Auch Fielmann ist ja nicht plötzlich ein schlechtes Unternehmen, weil man lieber die Dividende gestrichen hat statt im Lockdown Mitarbeiter zu entlassen und Schulden aufzunehmen. Die Frage, wie man auf solche Fälle im Rahmen einer systematischen Strategie angemessen reagiert, ist definitiv eine der intellektuellen Herausforderungen für die nächsten Monate!

Luxus hat Zukunft

Für den Moment ist festzuhalten: Im Gegensatz zu vielen Mode-Marken und Lifestyle-Labels – u.a. Adidas, Puma oder PVH (Hilfiger) – muss LVMH zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder die Dividende streichen noch Staatshilfen erbetteln. Das ist ein Zeichen der Stärke. Dazu wird Luxus auch „nach Corona“ nicht out sein. Erste Indizien dafür kommen aus China, wo etwa die Hermès-Boutique in Guangzhou am Tag ihrer Wiedereröffnung gleich mal einen Umsatzrekord aufgestellt hat, wie der Robb Report berichtet. [Und sobald der LV-Store auf dem Ku’damm wieder offen ist, werde ich mir dort etwas Schönes kaufen. Denn online macht das keinen Spaß.]

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