Klima-Aktien: Frische Luft in bester Qualität

Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer… Zeit für eine Klima-Anlage! Nicht nur in der Zweiraumwohnung, sondern auch im Depot. Sozusagen als Absicherung gegen die Erderwärmung. Denn je höher das Thermometer klettert, umso mehr werden selbst notorische Zugluft-Gläubige geneigt sein, für kühlende Technik Geld auszugeben.

Im Winter K+S, im Sommer Heineken?

Vielleicht ein etwas naives Kalkül. Im Winter K+S (Streusalz) und Polaris (Schneepflüge). Im Frühling BayWa (Agrarbedarf) und Leifheit (Frühjahrsputz). Und im Sommer dieses Jahr halt mal etwas Anderes als immer nur Heineken (Bier) und Nestlé (Wasser, Eis)? Pure Finanzpornographie. Doch wer – in memoriam Peter Lynch – mit offenen Augen durch die Welt geht, entdeckt in Alltagssituationen manchmal Aktien, die ansonsten durch alle Filter rutschen, aber durchaus Qualität bieten.

Daikin: Weltmarktführer für prima Klima

So wie Daikin Industries. Gemeinsam mit Gree und Midea aus China gehören die Japaner zu den weltweit führenden Herstellern von Klima-Technik. Angeboten wird die ganze Palette von der Kleinanlage für die eigenen vier Wände über frische Luft im Großbraumbüro bis hin zu Kühlsystemen für Fertigungsstraßen oder Rechenzentren.

Ein einträgliches Geschäft: Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre ist der Umsatz um knapp 7% p.a. gewachsen, das Ergebnis je Aktie konnte sogar doppelt so stark gesteigert werden und Dividende gibt’s auch. Zwar nicht sehr viel – nur gut ein Viertel vom Gewinn wird an die Aktionäre ausgekehrt –  und auch nicht ganz stabil, denn in der Finanzkrise wurde leicht gekürzt. Dafür stimmt die Dynamik und auch die Bilanz sieht sauber aus.

Bewertung hat noch Luft nach oben

Mit einem Plus von 360% hat Daikin Industries in den vergangenen zehn Jahren mehr als doppelt so gut abgeschnitten wie der Nikkei 225 Index. Dennoch ist die Aktie mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis um 20 nicht überteuert – weder in Relation zur eigenen Bewertungshistorie noch gemessen an den Wachstumsraten. Obendrein gefällt die globale Präsenz: Ein Viertel vom Umsatz erwirtschaftet Daikin in der Heimat, 30% in China und anderen Asia/Pazifik-Ländern, weitere 30% kommen aus Nord- und Lateinamerika. Nur Europa ist noch unterrepräsentiert (15%).

In den USA heißt Klima-Technik HVAC

Wer aus Prinzip keine japanischen Aktien kauft oder mehr Dividende will, wird in den USA fündig. Watsco ist der führende Klimatechnik-Händler des in geschlossenen Räumen oftmals eisig kalten Landes – stellt also keine eigenen Anlagen her, sondern positioniert sich als Vertriebspartner für alle großen Marken (darunter auch die Daikin-Tochter Goodman). Dabei hat Watsco sowohl Kälte als auch Wärme im Programm, schließlich wird das gesamte HVAC-Gerät (Heating, Ventilation, Air Conditioning) in der Regel von denselben Handwerksbetrieben installiert.

Watsco mit Buy & Build und solider Bilanz

Watsco ist ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent tätig (US-Anteil 90%). In einem sehr stark fragmentierten Markt mit zahllosen Mini-Anbietern setzt das 1956 gegründete Unternehmen auf eine „Buy & Build“-Strategie. Es werden also immer wieder kleinere Wettbewerber übernommen und integriert, so wie aktuell Pierce-Phelps für 200 Mio. US-Dollar. Dennoch schlummern in der Bilanz keine allzu großen Goodwill-Klumpen und auch Verschuldungsgrad (24%) und Liquidität 3. Grades zeugen von solider Unternehmensführung.

Merkwürdige Dividendenpolitik

Die Wachstumskurve ist etwas flacher als bei Daikin. Gleichwohl verdient die Gewinndynamik (+12% p.a. im Durchschnitt der letzten fünf Jahre) allemal Respekt. Bemerkenswert – oder merkwürdig, je nachdem – ist auch die Dividendenpolitik. Nach zwei Jahrzehnten ohne Kürzung gab’s 2012 eine fette Sonderausschüttung, verbunden mit der Ankündigung, die zuvor weidlich ausgereizten Payout-Quoten künftig etwas im Zaum zu halten.

Folgerichtig wurde 2013 kräftig gekürzt, doch die Bescheidenheit hat nicht allzu lange gehalten. Inzwischen wird erneut fast der gesamte Gewinn an die Aktionäre überwiesen. Auch wenn Watsco zweifelsohne ein Qualitätsunternehmen ist: Hinter die Nachhaltigkeit der aktuell mit 4,2% erwarteten Dividendenrendite muss man ein Fragezeichen setzen.

Ab in den Urlaub

Die beste Klimaanlage ist aber ohnehin eine leichte Meeresbrise – weshalb ich mich jetzt in die Sommerfrische auf Mallorca verabschiede. Wenn überhaupt, bin ich die nächsten zweieinhalb Wochen also eher auf Twitter und Instagram als hier aktiv.

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