Update 2019: Die Deutschland-Strategien aus dem Buch

Die vier DividendenAdel-Kriterien sind eine ebenso einfache wie erfolgreiche Methode, um zuverlässige Dividendenzahler mit nachhaltigem Potential zu identifizieren. Leser des Buches „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ kennen darüber hinaus allerdings noch eine weitere Spielart des „Magischen Vierecks“.

Kürzerer Track Record und stärkerer Payout-Fokus

Kernpunkt dabei ist eine etwas entspanntere Interpretation des Faktors Kontinuität: Statt einem Jahrzehnt ohne Kürzung braucht es lediglich fünf Jahre mit weißer Weste, dafür aber mindestens zwei Anhebungen – davon eine zwingend im Vorjahr. Auf diese Weise rücken auch weniger etablierte Firmen ins Blickfeld, die noch keinen ganz so langen Track Record vorweisen können.

Entsprechend wichtig ist die Qualität, weshalb der Zielkorridor für die Ausschüttungsquote etwas enger bemessen ist (33-75% statt 25-75%). Darüber hinaus gibt es gleich zwei Sortierungen – einerseits wie beim klassischen DividendenAdel nach dem Dividenden-Wachstum, andererseits nach der durchschnittlichen Dividenden-Rendite, beides bezogen auf die letzten fünf Jahre.

Live-Portfolios auf Finanztreff

Auch diese Strategien, die der Abgrenzung wegen „DividendenStars“ heißen und die beide auf das bewährte Universum mit den 250 wichtigsten deutschen Aktien aufsetzen, werden zum Jahresanfang überprüft – und seit dem 9. Januar 2017 auf Finanztreff als Live-Portfolios mit einem anfänglichen Startkapital von 20.000 Euro geführt.

DividendenStars Deutschland Wachstum

Wie der gesamte deutsche Aktienmarkt hat auch die im Buch ab Seite 165 vorgestellte Wachstums-Strategie nach mehreren Jahren mit zweistelligem Plus einen kräftigen Dämpfer hinnehmen müssen. Der Portfolio-Wert liegt per 14. Januar 2019 einschließlich aufgelaufener Dividenden mit 20.100 Euro rund 21% unter dem Stand von vor einem Jahr (25.530 Euro).

Herbe Verluste seit der letzten Anpassung

Von den Anfang 2018 hinzugefügten Positionen notiert nur Airbus leicht im Plus, während HeidelbergCement, KPS und Technotrans Kursabschläge von mehr als 40% zu verzeichnen haben – sehr starke Reaktionen auf leicht verfehlte Erwartungen. Auch die schon seit 2017 enthaltene Dürr-Aktie, die vor Jahresfrist rund 50% im Plus gelegen hatte, kam zuletzt kräftig unter die Räder und liegt nun 10% hinten.

DividendenStars Deutschland Wachstum Status

Nur Sixt kann trotz des jüngsten Rücksetzers insgesamt ein kräftiges Plus behaupten, bewegt sich nun aber wie die anderen Titel auf einem (Bewertungs-)Niveau, wo aus qualitativer Sicht Nachkäufe in Betracht kommen. Doch derlei subjektive Erwägungen sind an dieser Stelle irrelevant – ins Portfolio einbezogen werden die zehn Aktien, die alle Basis-Kriterien erfüllen und über fünf Jahre das stärkste Dividenden-Wachstum vorweisen können.

Chance zum Aufholen der Kursverluste

Das heißt für 2019 auf Basis der Auswahlliste: Mit All for One Steeb, LEG Immobilien, Technotrans, HeidelbergCement, Sixt, KPS und Hochtief haben schon einmal sieben Aktien die Chance, die Verluste der letzten Monate aufzuholen – sie bleiben auf jeden Fall im Portfolio, weil sie auf den ersten zehn Plätzen rangieren.

DividendenSars Deutschland Wachstum Auswahlliste 2019

Drohende Branchenklumpen erfordern Eingreifen

Nachrücker wären nun eigentlich Secunet, Helma Eigenheimbau und die Deutsche Wohnen. Allerdings sind mit All for One Steeb und KPS bereits zwei IT-Dienstleister im Portfolio enthalten, so dass die Aufnahme von Secunet zu einem sektoralen Klumpenrisiko führen würde. Selbiges gilt für die Bau- und Immobilienbranche, die mit LEG Immobilien, HeidelbergCement und und Hochtief bereits ausreichend stark repräsentiert ist – weshalb die drei natürlichen Nachrücker wie ab Seite 168 im Buch beschrieben übersprungen werden.

Stattdessen kommen die drei nächstplatzierten Aktien zum Zuge: United Internet, Aareal Bank und Airbus, die auf diese Weise doch in der Strategie verbleiben kann. Damit gibt es also nur zwei Umschichtungen: Dürr und Encavis (früher Capital Stage) müssen für United Internet und die Aareal Bank weichen.

Dividenden ermöglichen das „Cool bleiben“

Umgesetzt werden die Transaktionen am 14. Januar 2019 auf Xetra-Schlusskursbasis, wobei neben dem Erlös aus Dürr und Encavis der Einfachheit halber auch die im Vorjahr aufgelaufenen Dividenden in die beiden neuen Positionen investiert werden. Und damit sind wir bei dem Faktor angelangt, der gerade in solchen Marktphasen das „Cool bleiben“ ermöglicht – bei den Ausschüttungen, die unabhängig sind von den Launen der Börse, nur aus der realwirtschaftlichen Leistung der Unternehmen resultieren und anders als Aktienrückkäufe „cash in de Täsch“ des Aktionärs fließen.

Und was die Dividenden angeht, ist die Strategie voll auf Kurs: Nach rund 620 Euro im Vorjahr konnten 2018 gut 660 Euro an laufenden Erträgen verinnahmt werden. Ein Plus von rund 7% und bezogen auf das Startkapital von 20.000 Euro ergeben sich daraus rund 3% Rendite – wohlgemerkt mit Wachstumswerten, die sowohl durch ihr operatives Geschäft als von der Payout-Quote her noch genügend Potential für weitere Anhebungen haben.

DividendenStars Deutschland Rendite

Im Jahr 2017 war die Rendite-Selektion von der Kursentwicklung her etwas zurückgeblieben. Dennoch steht seit der letzten Anpassung ein ähnlicher Verlust zu Buche wie bei der Wachstums-Strategie: Der Portfolio-Wert beläuft sich per 14. Januar 2019 auf rund 19.610 Euro, was gegenüber dem Stand von vor zwölf Monaten (23.940 Euro) einem Rückgang um etwa 18% entpricht.

DividendenStars Deutschland Rendite Status

Dividendenerträge steigen um 23%

Genau wie die sehr gute Performance der Vorjahre sind natürlich auch diese Zahlen nur eine Momentaufnahme. Das Hauptaugenmerk sollte deshalb weiterhin auf den Cashflows liegen – und die entwickeln sich positiv: Nach 726 Euro in 2017 konnten zuletzt knapp 900 Euro an Dividendenerträgen verbucht werden. Ein Plus von 23%, wodurch die realisierte Ausschüttungsrendite auf das Startkapital nun schon bei 4,5% liegt.

Handlungsbedarf bei fünf Aktien

Ziel ist natürlich, diesen Wert weiter zu steigern. Und genau deshalb ja auch der jährliche Blick auf die nachhaltige Ausschüttungsqualität der Unternehmen – streng schematisch anhand der Auswahlkriterien und dem auf der durchschnittlichen Dividendenrendite basierenden Ranking.

Das signalisiert Handelungsbedarf bei fünf Aktien. KPS und Cewe belegen nur noch die Plätze 12 bzw. 20 und werden deshalb bei dieser strengen, auf die Ränge 1-10 fokussierten Interpretation des Konzepts aussortiert – was im Fall des IT-Dienstleisters mit den drei Buchstaben dazu führt, dass ein schmerzlicher Verlust von über 50% realisiert wird. Doch genau das ist ja die Essenz von systematischen Strategien: Bauch ausschalten und die quantitativen Vorgaben eins-zu-eins umsetzen.

Bertrandt und Münchener Rück stagnieren bei der Dividende

Außerdem müssen Bertrandt und die Münchener Rück weichen. Beide haben ihre Ausschüttung im Vorjahr nicht mehr angehoben und sind damit nicht mehr in der Rangliste enthalten – wobei Bertrandt nun sogar eine Kürzung in Aussicht gestellt hat. Ebenfalls aussortiert wird Villeroy & Boch: Der traditionsreiche Keramik-Hersteller erfüllt zwar weiterhin alle Anforderungen der Strategie, gehört aber gemessen an Marktkapitalisierung und Börsenumsätzen nicht mehr zu den Top 250 deutschen Aktien.

Sixt und BASF gehen in die nächste Verlängerung

Eingewechselt die fünf Aktien, die neu auf den ersten zehn Plätzen liegen. Wie in der Wachstums-Strategie kommt die Aareal Bank hinzu, außerdem werden Daimler, Talanx, Siemens und Deutsche Post geordert. Insgesamt also ein stärkerer Fokus auf größere Unternehmen, zumal mit Allianz und BASF ja schon zwei DAX-Dickschiffe im Portfolio verweilen – die „Badische“ sogar bereits seit Anfang 2017, genau wie Sixt. Der Mobilitätsdienstleister ist obendrein neben dem Neuling Aareal die einzige Aktie, die in beiden Portfolios enthalten ist, was durchaus als Hinweis auf die besondere Qualität des Unternehmens verstanden werden darf.

Umgesetzt werden die Umschichtungen ebenfalls am 14. Januar 2019 auf Xetra-Schlusskursbasis, wobei neben dem Erlös aus den fünf Verkäufen auch die im Vorjahr aufgelaufenen Dividenden pro rata auf die fünf Käufe verteilt werden.

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