DividendenAdel Schweiz 2019: Viel mehr als Banken, Berge und teure Schokolade

DividendenAdel Schweiz 2019

Die Schweiz steht weltweit für Sicherheit, Stabilität und Zuverlässigkeit. Das wissen auch Dividendenjäger zu schätzen. Gemeinsam mit dem Nahrungsmittel-Multi Nestlé sind die beiden Pillendreher Roche und Novartis so etwas wie das Schweizer Taschenmesser für einkommensorientierte Investoren: Unverzichtbares Basis-Inventar eines defensiven Langfrist-Depots. Kein Wunder also, dass das Trio alle DividendenAdel-Kriterien erfüllt. Allerdings findet sich die eidgenössische Dividenden-Dreifaltigkeit traditionell etwas weiter unten in der Auswahlliste. Denn die wird schließlich nach der Dividenden-Dynamik sortiert – und die beträgt bei allen drei Werten nur gut 3% p.a. [Hier die Auswahlliste als PDF-Dokument herunterladen.]

Partners Group bleibt auf Wachstumskurs

Wer Wachstum sucht, wird stattdessen bei der Partners Group fündig. Der Private Equity-Manager aus Zug hat seine Ausschüttung im Schnitt der vergangenen fünf Jahre um knapp 25% p.a. angehoben – wobei die rasante Steigerung erfreulicherweise ein Spiegelbild der Gewinnentwicklung ist. Die resultiert indes nicht zuletzt aus dem langjährigen Aktienmarkt-Boom, der auch das Geschäft mit außerbörslichen Unternehmensbeteiligungen kräftig angeheizt hat. Inwieweit die Partners Group das Wachstumstempo halten kann, wenn die (Börsen-)Stimmung sich nachhaltig eintrübt, muss sich also erst noch zeigen.

Flughafen Zürich durchbricht den Payout-Korridor

Beim Payout jedenfalls ist nicht mehr allzu viel Luft. Mit 71% liegt die Ausschüttungsquote knapp unter dem oberen Ende des DividendenAdel-Korridors. Nicht auszuschließen deshalb, dass der Partners Group dasselbe passiert wie dem letztjährigen Spitzenreiter: Der Flughafen Zürich ist wegen des auf über 80% gestiegenen Payouts nicht mehr im DividendenAdel Schweiz enthalten. Rein qualitativ bleibt die stark zurückgekommene Aktie aber schon wegen ihres natürlichen Burggrabens zumindest eine Halteposition.

Banken, Berge, Schokolade

Ansonsten reflektiert der in diesem Jahr 21 Aktien umfassende DividendenAdel Schweiz auf den ersten Blick die gängigen Eidgenossen-Klischees: Banken, Berge und teure Schokolade – im wahrsten Wortsinn. Denn selbst für den Partizipationsschein von Lindt & Sprüngli sind knapp 6.000 Fränkli zu berappen. Die „echte“ Aktie des Maître Chocolatiers kostet sogar mehr als das Zehnfache.

Jungfraubahn seit 2008 immer positiv

Bei den Bergbahnen haben DividendenAdel-Puristen die Qual der Wahl zwischen der BVZ Holding, die u.a. die Zubringerstrecke Matterhorn-Gotthard betreibt, und der mit einem Börsenwert von knapp 800 Mio. Franken deutlich größeren Jungfraubahn – die übrigens zu den weltweit nur gut 100 Aktien gehört, die seit Ende 2008 auf Total Return-Basis (also inkl. reinvestierter Dividende) jedes Kalenderjahr mit positivem Ertrag abgeschlossen haben.

Regionalbanken hängen Platzhirsche ab

Die Platzhirsche vom Bankenplatz Zürich sucht man im primären DividendenAdel Schweiz dagegen vergeblich. Die Credit Suisse hat ihre Dividende erst 2018 wieder gesenkt, während die UBS sich zwar seit der Wiederaufnahme der Ausschüttungen 2012 keine Kürzung erlaubt hat. Aber ein siebenjähriger „Track Record“ reicht eben nur für den erweiterten Teil der Auswahlliste (Platz 41). Nachhaltige Dividendenqualität bieten derzeit nur die Kantonalbanken. Doch egal, ob Wallis, Luzern oder Graubünden: Die sehr marktengen Aktien kommen nur für geduldige Spezialwert-Sammler mit direktem Handelszugang zur Heimatbörse infrage.

Technologieführer für jedes Langfrist-Depot

Doch auch abseits der „typischen“ Branchen hat der eidgenössische DividendenAdel einige Pretiosen zu bieten. Technologieführer wie der Aufzugbauer Schindler, die Sanitär-Profis von Geberit oder der Hörgeräte-Hersteller Sonova sind eine Bereicherung für jedes Langfrist-Depot – genau wie der Zahntechnik-Spezialist Straumann, der es nur wegen der auf unter 1% geschrumpften Dividendenrendite nicht in die Auswahlliste geschafft hat.

DividendenAdel Schweiz 2018 Bilanz

Nebenwerte mit Atempause

Einige dieser Qualitätsaktien sind darüber hinaus nun etwas günstiger zu haben als vor zwölf Monaten. Denn während der mit den Großkonzernen bestückte SMI Index 2018 nur marginal verloren hat, gab es in der „zweiten Reihe“ eine deutliche Korrektur. Für den SMI Mid Cap Index stehen per saldo fast 16% Verlust zu Buche, seit der DividendenAdel Schweiz 2018 publiziert wurde. Gemessen daran hat sich die Vorjahres-Selektion mit einem Minus von 4,3% (bzw. 2,1% unter Berücksichtigung der Dividenden) großartig behauptet.

Implenia-Aktie baut im Keller

Allein Implenia stand einer noch besseren Wertentwicklung im Weg. Die Aktie des Baukonzerns, der auch in Deutschland und Skandinavien aktiv ist, hat nach zwei Gewinnwarnungen rund 40% verloren. Parallel wurde die Dividende nur konstant gehalten, so dass die Firma mit dem Gänseblümchen-Logo aus dem primären DividendenAdel Schweiz herausgefallen ist. Dennoch beläuft sich die über drei Jahre geglättete Ausschüttungsquote auf grenzwertige 74%. Gut möglich deshalb, dass Implenia im kommenden Jahr gänzlich fehlt.

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