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Neue Zusammensetzung: DividendenAdel Indices für Deutschland und Schweiz

Eigentlich war mein Plan ja gewesen, die DividendenAdel-Listen für Deutschland, Österreich und die Schweiz ab 2020 nicht erst zum Jahreswechsel, sondern bereits per Ende September zu aktualisieren – nachdem in den vergangenen Jahren zum Start des Schlussquartals stets Klarheit über die Ausschüttungen geherrscht hatte. Doch dann kam die Corona-Pandemie, die nicht nur unsere Gesundheit und unseren Wohlstand gefährdet, sondern auch die Finanzkalender durcheinanderwirbelt. Viele Hauptversammlungen wurden verschoben und im Einklang mit den COVID19-Gesetzen, wonach die Aktionärstreffen hierzulande nun bis zu zwölf (statt regulär acht) Monate nach Ende des Geschäftsjahres stattfinden können, haben viele kleinere Firmen bislang noch keinen Gewinnverwendungsvorschlag vorgelegt.

Für eine abschließende Beurteilung des Dividendenjahrgangs 2020 ist es also in der Breite noch zu früh; diese wird es dann doch wie gewohnt erst Anfang Januar geben. Nicht verschoben wurde hingegen die turnusgemäße Überprüfung der vom Düsseldorfer Index-Provider LIXX kalkulierten DividendenAdel-Indices für Deutschland und die Schweiz. Denn zum einen besteht das Regelwerk auf dem Stichtag 30. September und zum anderen sind die Nebenwerte hier nicht relevant: Im Gegensatz zu den Listen nehmen die Indices ja nicht den kompletten Kurszettel ins Visier, sondern nur die Aktien, die im Durchschnitt über einen, drei und zwölf Monate Börsenumsätze von mindestens 1,5 Mio. Euro bzw. Schweizer Franken verzeichnen – und für diese Gesellschaften liegen sämtliche Daten vor.

Nur sechs deutsche Aktien bleiben drin

Dabei sind die Veränderungen hierzulande weitaus gravierender als in der Schweiz. Von den 18 Unternehmen, die bislang im DividendenAdel Deutschland Index enthalten waren, erfüllen nur sechs weiterhin sämtliche Kriterien für den primären DividendenAdel: Mit ihren 2020er Dividenden kommen Allianz, Fuchs Petrolub, Münchener Rück, SAP, Siemens und Software AG auf Dividendenrenditen von mehr als einem Prozent, positives Dividendenwachstum über fünf Jahre und Ausschüttungsquoten zwischen 25 und 75 Prozent über drei Jahre. Überdies hat das Sextett die Dividende eben nicht nur stabil gehalten und damit den Track Record von mindestens zehn Jahren ohne Kürzung fortgeschrieben – es gab sogar eine Anhebung.

Vier Ausfälle durch COVID19 – mit ungewisser Zukunft

Genau die hat bei Bayer und Henkel gefehlt. Beide DAX-Konzerne haben denselben Betrag wie im 2019 gezahlt und sind damit in diesem konsequent auf Wachstum fokussierten Strategie-Ansatz nun nicht mehr dabei. Aber immerhin ist der Track Record intakt, anders als bei CTS Eventim, der Deutschen Euroshop, Fraport und MTU Aero Engines: Die Ticketing-Plattform, der Shoppingcenter-Betreiber, der Frankfurter Flughafen und der auf Flugzeug-Triebwerke spezialisierte Technik-Dienstleister leiden dermaßen unter dem Virus bzw. den Gegenmaßnahmen, dass die Dividende gestrichen bzw. gemäß §254 AktG auf den eher symbolischen Mindestbetrag von 0,04 Euro-Cent gesenkt wurde. Gleichzeitig stellt sich vor allem bei Einkaufszentren und Luftfahrt die Frage, inwieweit die Pandemie das Geschäft nicht nur vorübergehend belastet, sondern – weil menschliche Gewohnheiten sich ändern – nachhaltig bedroht.

Bei Bechtle und Symrise laufen die Kurse der Dividende davon

Derlei Erwägungen sind freilich für die Index-Zusammensetzung nicht relevant. Es kommt nur auf die Zahlen an und bei Kürzung oder Ausfall der Dividende – egal aus welchem Grund – fällt der Track Record eben auf Null zurück, so dass es mindestens zehn Jahre dauert, bis eine Aktie wieder in den primären DividendenAdel zurückkehrt. Bechtle und Symrise kommen dagegen vielleicht schon im nächsten Jahr wieder. Denn der IT-Dienstleister und der Aromen-Spezialist sind „trotz Corona“ fundamental voll auf Kurs, haben die Ausschüttung um abermals deutlich angehoben und bewegen sich auch beim Payout im Zielkorridor (25-75%). Allerdings sind beide Aktien dermaßen stark gelaufen, dass die Dividendenrendite nun unter die Schwelle von einem Prozent gerutscht ist – was im privaten Depot nicht zwangsläufig ein Verkaufssignal sein muss, in dieser strengen und rein schematischen Strategie-Definition aber eben den Abschied bedeutet.

Familie Fresenius nun komplett draußen

Bei Fresenius Medical Care hingegen liegt es an der Ausschüttungsquote, dass die Aktie den DividendenAdel Deutschland Index trotz der 23. Anhebung in Folge verlassen muss: 24 Prozent Payout sind mit Blick auf den Zielkorridor eben ein Prozentpunkt zu wenig – und aus demselben Grund ist auch der Mutterkonzern Fresenius weiterhin nicht im Index enthalten, obwohl der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg mit über 25 Anhebungen in Serie weiterhin der einzige „echte“ Dividenden-Aristokrat Deutschlands ist.

Vier Neulinge komplettieren den Zehnerpack

Insgesamt scheiden damit zwölf Unternehmen aus dem DividendenAdel Deutschland Index aus. Parallel erfüllen nur vier Firmen, die bislang nicht enthalten waren, alle Kriterien: Der Glashersteller Gerresheimer Glas, der Chemikalienhändler Brenntag, der Pharmakonzern Merck und der Chemie-Riese BASF überspringen mit der diesjährigen Anhebung nun allesamt die Hürde von zehn Jahren ohne Dividendensenkung – und bewegen sich auch bei Ausschüttungsquote und Rendite innerhalb des Zielbereichs.

Universum für Dividendenkontinuität bleibt robust

Damit umfasst der DividendenAdel Deutschland Index nun genau das vom Regelwerk definierte Minimum von zehn Aktien (in der Tabelle grün markiert), die auf Schlusskursbasis vom 7. Oktober 2020 mit jeweils zehn Prozent gewichtet wurden. Aus qualitativer Sicht wäre natürlich eine etwas breitere Streuung wünschenswert gewesen. Doch entscheidend sind die quantitativen Vorgaben – und Cancom, Hornbach, Infineon, Henkel, Deutsche Post und Bayer (in der Tabelle gelb markiert) haben in diesem Jahr nicht angehoben und verpassen damit derzeit eben das finale Kriterium „positives kurzfristiges Dividenden-Momentum“.

Gleichzeitig illustriert die Tabelle: Trotz der Verwerfungen durch die Pandemie und selbst wenn man die Nebenwerte außen vor lässt, bleiben 26 Aktien übrig, die ihre Ausschüttung seit einem Jahrzehnt oder mindestens stabil halten. Das Universum, aus dem eine auf Kontinuität abzielende Dividendenstrategie schöpfen kann, ist also durchaus robust – was auf Sicht auch wieder zu einer breiteren Aufstellung des Index führen sollte.

Stabilität in der Schweiz

Derweil macht die Schweiz ihrem Ruf als Hort der Stabilität auch in puncto Dividenden alle Ehre. Anders als in Deutschland gibt es beim ebenfalls von LIXX kalkulierten DividendenAdel Schweiz Index kaum Veränderungen: 14 der 18 Unternehmen, die bislang im Index enthalten waren, erfüllen auch mit ihren 2020er Ausschüttungen alle DividendenAdel-Kriterien – darunter natürlich die eidgenössische Dividenden-Dreifaltigkeit Nestlé, Novartis und Roche. Genau wie u.a. die Großmolkerei Emmi, die Schoko-Legende Lindt & Sprüngli oder der Private Equity-Spezialist Partners Group punkten die drei Top-Konzerne mit nachhaltig stabilen Dividenden, mehr als einem Prozent Dividendenrendite sowie einer Ausschüttungsquote zwischen 25 und 75%; dazu wurde die Dividende trotz (und oftmals inmitten) der Corona-Verwerfungen angehoben. Ein starkes Signal, was das Vertrauen des Managements in das Geschäftsmodell angeht!

Sonova schüttet nur Aktien aus

Nur drei Unternehmen aus der letztjährigen Index-Aufstellung konnten sich zu diesem Signal nicht durchringen. Der Hörgeräte-Spezialist Sonova hat zwar kürzlich einen Teil der in früheren Jahren über die Börse zurückgekauften Aktien an seine Anteilseigner ausgeschüttet. Aber das Bezugsverhältnis von 150:1 entsprach wertmäßig ungefähr einer Halbierung der Ausschüttung – und obendrein gilt für das DividendenAdel-Ranking die Devise „Nur Bares ist Wahres“.

Richemont und Dormakaba senken, Swiss Life steigt auf

Bei Richemont und Dormakaba durften die Aktionäre sich hingegen über eine Überweisung freuen, die allerdings geringer ausgefallen ist als im Jahr zuvor. Die Luxus-Holding und der Sicherheitstechniker müssen also in puncto Dividendenkontinuität wieder bei Null anfangen und den DividendenAdel Schweiz Index folgerichtig verlasen. Ebenfalls raus ist Interroll, obwohl der Automatisierungs-Spezialist seine Ausschüttung seit elf Jahren nicht gesenkt und nun sogar zum neunten Mal in Serie angehoben hat. Doch nachdem die Aktie zuletzt deutlich stärker gestiegen ist als die Dividende, ist die Dividendenrendite unter das Minimum von einem Prozent gefallen.

Den vier Abgängen steht ein Neuzugang gegenüber: Swiss Life überspringt erstmals die Hürde von zehn Jahren ohne Dividendenkürzung und kann – ähnlich wie in Deutschland die Allianz – einen nahezu idealtypischen Payout mit hoher Rendite und bemerkenswerter Dynamik verbinden. In Summe sind es also 15 Schweizer Aktien, die nun auf Schlusskursbasis vom 7. Oktober gleich gewichtet für die nächsten zwölf Monate ins Rennen gehen.

Der DividendenAdel Deutschland Index und der DividendenAdel Schweiz Index werden seit 3. Januar 2020 börsentäglich live vom Index-Provider Lixx berechnet, wobei anfallende Dividenden mit dem Netto-Betrag in die jeweilige Aktie reinvestiert werden (Net Total Return-Prinzip). Investierbar sind die Indices durch Tracker des Schweizer Wertpapierhauses Leonteq Securities. Die Zertifikate (Deutschland: WKN A2UULH, Schweiz: WKN A2UULG) bilden den jeweiligen Index abzüglich einer pro rata erhobenen Gebühr von 0,95% eins-zu-eins ab und sind börsentäglich handelbar.

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