DividendenAdel Eurozone 2019: Steigende Qualität und relative Stärke

DividendenAdel Eurozone 2019-1Es war ein reichlich durchwachsenes Börsenjahr für die Eurozone. Während  der US-amerikanische S&P 500 Index 2018 auf Total Return-Basis per saldo gerade einmal 4% eingebüßt hat, steht für den EURO STOXX selbst inklusive reinvestierter Dividenden ein Minus von 12% zu Buche. Immerhin hat das Euro-Barometer damit deutlich besser abgeschnitten als der Frankfurter Aktienmarkt – der obendrein in puncto Ausschüttungsqualität zurückbleibt. Denn in Deutschland überspringen nur 22 der 250 wichtigsten Börsenfirmen alle vier DividendenAdel-Hürden. Von den 250 Top-Aktien der Eurozone hingegen zählen nun 34 zum primären DividendenAdel. Das sind sechs mehr als vor einem Jahr, wobei zehn Aufsteiger vier Absteigern gegenüberstehen. [Hier die Auswahlliste als PDF-Dokument herunterladen.]

Eine Übernahme, dreimal Stagnation

Nicht mehr dabei ist nach der Übernahme durch Hochtief das spanische Infrastuktur-Konglomerat Abertis. Daneben sind die Münchener Rück, ihr französischer Wettbewerber Scor sowie der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport ausgeschieden. Alle drei Firmen haben 2018 nur auf Vorjahresniveau ausgeschüttet und damit das letzte DividendenAdel-Kriterium – als letzte „Dividend Action“ eine Anhebung – nicht erfüllt. Weil sonst alles passt, ist das Trio in der erweiterten Auswahlliste natürlich weiterhin präsent (auf den Plätzen 35, 38 und 39).

Payouts sinken, Renditen steigen

Unter den Aufsteigern gibt es mit dem französischen Altenheim-Betreiber Orpea nur ein Unternehmen, das 2018 die relevante Marke von zehn Jahren ohne Kürzung erreicht hat. Alle anderen Neulinge – darunter die Werbeagentur Publicis, der Gas-Logistiker Rubis oder die Pharma-Multi Sanofi – verfügen bereits über eine deutlich längere Erfolgsbilanz, wurden im Vorjahr aber entweder wegen einer außerhalb des Zielkorridors (25-75%) liegenden Ausschüttungsquote oder aufgrund einer zu geringen Dividendenrendite (mindestens 1%) aussortiert.

Hermès schafft knapp den Sprung

Aus genau diesem Grund war 2017 auch Hermès nicht mit von der Partie. Jetzt stehen für immerhin 1,2% zu Buche, womit das französische Luxus-Label den höchst exklusiven Zirkel der Firmen verstärkt, die sowohl DividendenAdel nach dem „Magischen Viereck“ als auch – mit mindestens 25 Anhebungen in Serie – Dividenden-Aristokrat nach US-amerikanischer Definition sind.

Aristokraten sind nicht zwangsläufig DividendenAdel

Dasselbe gilt ansonsten nur für den Kosmetik-Koloss L’Oréal, den Konsumgüter-Konzern Unilever und den Optiker EssilorLuxottica. Für den deutschen Gesundheitsdienstleister Fresenius und den irische Nahrungsmittelhersteller Kerry Group ist dagegen auch in diesem Jahr kein Platz in der Auswahlliste: Beide Unternehmen haben zwar seit über einem Vierteljahrhundert Jahr für Jahr ihre Ausschüttung erhöht, erreichen aber nicht einmal den Mindest-Payout von 25%.

Der Fluch des Spitzenreiters

Was das konkrete Ranking – also die Sortierung nach dem Gewinnwachstum – angeht, stehen mit dem italienischen Pillendreher Recordati und dem französischen Zahlungsabwickler Ingenico ganz oben dieselben Firmen wie 2018. Zuletzt war der Platz an der Sonne indes ein schlechtes Omen: Obwohl das Geschäft weiterhin ordentlich wächst, hat Ingenico in den vergangenen zwölf Monaten nicht vom Fintech-Boom profitieren können, sondern über 40% eingebüßt. Damit ist die Aktie von der Performance her das Schlusslicht im DividendenAdel Eurozone 2018.

Supermarktkette Colruyt mit 45% Plus

Ähnlich mies hat nur ein deutsches Trio abgeschnitten: Bayer (-39%), Fresenius Medical Care (-35%) und Fraport (-32%) haben allesamt mehr als 30% verloren. Parallel stehen bei immerhin fünf von 28 Aktien sogar zweistellige Kursgewinne zu Buche. Spitzenreiter ist die belgische Supermarktkette Colruyt mit 45% Plus, gefolgt vom französischen Rückversicherer Scor (+21%) und dem niederländischen Medienhaus Wolters Kluwer (18%).

DividendenAdel Eurozone Bilanz 2018

Dennoch konnte sich auch der DividendenAdel Eurozone der skeptischen Börsenstimmung nicht entziehen. Im Durchschnitt haben die Kurse um knapp 8% nachgegeben. Rechnet man die Dividenden hinzu, verbleibt ein Minus von gut 5%. Das ist einerseits deutlich besser als die rund 12% Verlust, die für den marktbreiten MSCI EMU zu Buche stehen. Und andererseits gibt es auch ein fettes Pluszeichen: Die Dividendenerträge haben gegenüber dem Vorjahr um 11,6% zugenommen.

Vorsprung durch Ausschüttungsqualität

Wie Ausschüttungsqualität und Dividenden-Dynamik als Werttreiber funktionieren, illustriert der Solactive DividendenAdel Eurozone Index. Das immer am zweiten Montag des Jahres – zuletzt also gestern – auf Basis der DividendenAdel-Liste neu zusammengesetzte Aktienbarometer bündelt 25 Unternehmen und kommt damit seit Anfang 2014 auf einen Wertzuwachs von 40%. Der marktbreite MSCI EMU Index hat derweil nur rund 20% zugelegt.

2019-01-15 Solactive DividendenAdel Eurozone Index vs. MSCI EMU Index ab 01-2014-1

Dabei hat die DividendenAdel-Strategie gerade in den vergangenen neun Monaten, als das Börsenumfeld sich zunehmend eingetrübt hat, beeindruckende relative Stärke gezeigt – erkennbar am kräftigen Aufwärtstrend des in der Grafik blassblau hinterlegten Vorsprungs. Parallel reduziert der Fokus auf Dividendenqualität auch das Risiko: Während der MSCI EMU Index die knapp 15% unter seinem Hoch notiert, beläuft sich der sog. Drawdown beim DividendenAdel Eurozone auf lediglich 8%.

Investierbar ist der Solactive DividendenAdel Eurozone Index über ein Partizipations-Zertifikat der Deutschen Bank. Wie bei MSCI werden die Netto-Dividenden automatisch reinvestiert.

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