DividendenAdel Deutschland 2019: Diese 22 Aktien sind dabei

DividendenAdel Deutschland 2019Gemessen am Volumen haben Deutschlands Aktiengesellschaften auch 2018 wieder neue Ausschüttungsrekorde aufgestellt. Höchsten Ansprüchen an nachhaltige Dividendenqualität genügt jedoch weiterhin nicht einmal jede zehnte der 250 wichtigsten Börsenfirmen: Nur 22 Unternehmen erfüllen alle vier DividendenAdel-Kriterien – genauso viele wie im Vorjahr, wobei es jeweils fünf Ab- und Aufsteiger gibt. [Hier die Selektionsliste als PDF-Dokument herunterladen.]

Stagnation als „Worst Case“

Nicht mehr zum primären DividendenAdel Deutschland zählen die Münchener Rück, der Flughafenbetreiber Fraport, der Hygienespezialist Paul Hartmann, der Büromöbel-Versender Takkt sowie die Softwareschmiede USU – und zwar alle aus demselben Grund: Die Dividende wurde 2018 nicht erhöht, sondern nur konstant gehalten.

Beim Rückversicherungs-Riesen aus der Bayern-Metropole ist damit ein Zyklus von fünf Anhebungen zum Ende gekommen, Paul Hartmann hatte seinen Anteilseignern sogar seit 2006 Jahr für Jahr mehr gezahlt. Gleichzeitig zählen alle fünf Absteiger nach wie vor zum erweiterten Kreis der Top-Dividendenwerte und liegen in der aktuellen Auswahlliste auf den Plätzen 25 bis 30.

Fünf Aufsteiger aus dem Small Cap-Segment

Neu dabei sind fünf kleinere Unternehmen, von den dreien auf Anhieb der Sprung an die Spitze des Rankings gelungen ist. Aurelius, VTG und FRoSTA punkten im Kreis der 22 DividendenAdel-Firmen über die vergangenen fünf Jahre mit der stärksten Dividendendynamik.

FRoSTA schafft endlich den Sprung ins Universum

Hinzu kommen als Neueinsteiger der Medizintechniker Eckert & Ziegler sowie die UmweltBank, die – genau wie der Logistiker VTG – erstmals die Hürde von zehn Jahren ohne Dividendenkürzung überspringt. Die mit ihrem Reinheitsgebot für Tiefkühlkost einzigartig positionierte FRoSTA hingegen hat schon seit 14 Jahren eine weiße Weste. Dass die Aktie bislang nicht in der Auswahlliste enthalten war, hatte deshalb nicht an unzureichender Ausschüttungsqualität gelegen. Stattdessen hatten die Norddeutschen es wegen der niedrigen Börsenumsätze lange Zeit nicht ins Basis-Universum der 250 deutschen Top-Aktien geschafft.

Aurelius mit Transparenz-Defiziten…

Ganz oben im Ranking steht derweil mit Aurelius eine der umstrittensten Börsenfirmen der letzten Jahre. Die Geschäfts- und Bilanzierungspraktiken der auf Turnaround-Situationen spezialisierten Private Equity-Gesellschaft werden immer mal wieder angezweifelt. Und dass die nur im Freiverkehr notierte Aktie sich im Laufe des vergangenen Jahres trotz anhaltender Aktienrückkäufe zwischenzeitlich mehr als halbiert hat, dürfte auch den Kommunikations- und Transparenzdefiziten geschuldet sein.

…doch bislang hat der Turnaround-Spezialist geliefert

Dennoch ist festzuhalten: Bislang hat das Team um Firmengründer Dirk Markus operativ stets geliefert – was sich in den seit elf Jahren kontinuierlich angehobenen Basisdividenden widerspiegelt. Hinzu kommen Sonderausschüttungen, mit denen Aurelius die Aktionäre an den Erlösen aus erfolgreichen Beteiligungsverkäufen teilhaben lässt und die für Dividendenrenditen im zweistelligen Bereich sorgen können. Gleichzeitig sind solche Zahlen immer auch ein Hinweis auf Risiken, gerade in Zeiten schwächelnder Konjunkturindikatoren und mit Blick auf den Brexit.

Sechs DAX-Konzerne im DividendenAdel

Wer mit Spezialsituationen der Kategorie Aurelius oder Nebenwerten wie FRoSTA wenig anfangen kann und lieber auf Dickschiffe setzt, wird in der aktuellen Auswahlliste natürlich ebenfalls fündig. Mit Bayer, Fresenius Medical Care, Henkel, Linde, SAP und Siemens zählen sechs DAX-Firmen zum primären DividendenAdel – und auch MDAX-Perlen wie Bechtle, MTU Aero Engines oder Fuchs Petrolub kommen auf Börsenwerte jenseits der Zwei-Milliarden-Euro-Marke.

Auch die untere Tabellenhälfte lohnt einen Blick

Im nächsten Jahr dürfte die Auswahl noch größer werden. Denn dann fällt das Krisenjahr 2009 aus dem zehnjährigen Betrachtungszeitraum heraus. Wer wie Allianz, Cewe, Deutsche Post oder United Internet damals seine Dividende senken musste, sich seitdem aber keine Kürzung mehr erlaubt hat, wird in einem Jahr also zumindest die erste DividendenAdel-Hürde überspringen. Insofern ist auch der untere Teil des Rankings – mit den Unternehmen, die aktuell auf neun oder acht Jahre ohne Enttäuschung kommen – eine nützliche Inspiration für das eigene Portfolio.

Zehn Prozent mehr Dividende als im Vorjahr

Gleichzeitig ist die Publikation der neuen Auswahlliste der natürliche Anlass für den Blick in den Rückspiegel. Und der kann sich durchaus sehen lassen. Denn die 22 Unternehmen aus dem DividendenAdel Deutschland 2018 haben ihre Ausschüttung gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich über 10% gesteigert – eine fette Mehreinnahme, die völlig unabhängig von den Launen der Börse „cash in de Täsch“ der Aktionäre gelandet ist.

DividendenAdel nicht vor kräftigen Kursverlusten gefeit

Nur eine Momentaufnahme ist hingegen die Wertentwicklung, wo sich in den vergangenen zwölf Monaten gezeigt hat, was ich schon in „Cool bleiben und Dividenden kassieren“ ausgeführt hatte: Auch höchste Ausschüttungsqualität schützt keinesfalls vor Kursverlusten, weshalb im gerade für deutsche Aktien ziemlich miesen Börsenjahr 2018 auch bei vielen DividendenAdel-Aktien fette Minuszeichen stehen. Knapp die Hälfte der Papiere musste Verluste von mehr als 20% hinnehmen, wobei ausgerechnet zwei DAX-Werte aus dem vermeintlich defensiven Healthcare-Sektor ganz unten rangieren – Bayer (-38%) und Fresenius Medical Care (-35%).

MTU Aero Engines und Münchener Rück sogar im Plus

Auf der anderen Seite liegen mit dem Triebwerks-Spezialisten MTU Aero Engines und der Münchener Rück sogar zwei Aktien gegen den Trend im Plus. Und der IT-Dienstleister Bechtle, die Immobilienfirma VIB Vermögen oder inzwischen mit Praxair fusionierte Industriegas-Champion Linde sind nur marginal von der Nulllinie entfernt.

Den Indices leicht voraus

Unter dem Strich steht deshalb für den DividendenAdel 2018 ein Minus von 17% bzw. 15%, wenn man die Dividenden hinzuaddiert. DAX, MDAX und SDAX haben im selben Zeitraum auf Total Return-Basis etwas stärker verloren. Aber zwei bis drei Prozentpunkte Outperformance in zwölf Monaten sind nichts, worüber es sich zu reden lohnt – Stichwort Momentaufnahme.

Fokus Dividendenqualität und -wachstum wird belohnt

Interessant jedoch: Wer am 8. Januar 2018 – als Kompromiss zwischen breiter Streuung und überschaubarem Aufwand – nur die ersten zehn Aktien des Rankings gekauft und bis heute gehalten hat, liegt nur gut 12% unter Wasser. Ein aktuelles Indiz dafür, dass systematische Aktienauswahl anhand von Dividendenqualität und -wachstum ebenso erfolgreich wie bequem ist.

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