DividendenAdel Austria 2019: Nur zwei Aktien erfüllen höchste Ansprüche

DividendenAdel Austria 2019Mit 104 Mrd. Euro brachten die 63 im WBI Wiener Börse Index notierten Aktiengesellschaften per Ultimo 2018 ungefähr genauso viel auf die Waage wie das DAX-Schwergewicht SAP. Schon das zeigt: Der österreichische Aktienmarkt ist eine Nische – die noch kleiner wird, wenn man nach Dividendenqualität filtert. Gerade einmal acht Firmen überspringen die erste DividendenAdel-Hürde von zehn Jahren ohne Kürzung. Würde man auf dieses putzige Grüppchen auch noch die übrigen Kriterien des „Magischen Vierecks“ anwenden, hätte der DividendenAdel Austria 2019 gerade einmal zwei Mitglieder – die Verpackungskünstler von Mayr Melnhof Karton und den Zuckerproduzenten Agrana. [Hier die Auswahlliste als PDF-Dokument herunterladen.]

Ausschließlicher Fokus auf Kontinuität

Wer mehr kritische Masse haben will, muss die Anforderungen senken. In der Alpenrepublik gibt’s das Prädikat DividendenAdel deshalb bereits, wenn die Ausschüttung fünf Jahre nicht gesenkt wurde – Ausschüttungsquote, Rendite und Dynamik spielen keine Rolle. Auf diese Weise kommt die Auswahlliste immerhin auf 23 Titel.

Eine Bank als Spitzenreiter

Ganz oben thront weiterhin die Linzer Oberbank, die ihren (Stamm-)Aktionären als einzige Ösi-Firma seit über einem Vierteljahrhundert keine Dividendensenkung zugemutet hat. Relativiert wird diese Nachhaltigkeit allerdings durch eine mit 11% äußerst bescheidene Payout-Quote und eine entsprechend mickrige Rendite.

Die Kursentwicklung kann sich trotzdem sehen lassen, nicht nur im Vergleich mit hiesigen Börsenbanken. Wie in den Vorjahren ging’s auch 2018 wie an der Schnur gezogen nordwärts –  von 82,00 auf 90,00 Euro. Aber Vorsicht: Die Aktie ist extrem markteng und sollte wie alle Titel abseits des ATX-Universums nur in Wien und nur streng limitiert geordert werden.

Value-Chancen bei Agrana?

Deutlich weniger Spaß hatten zuletzt die Aktionäre von Agrana. Zwar hat sich das Unternehmen, zu dessen mittelbaren Großaktionären die in „unserem“ SDAX gelistete Südzucker gehört, in 16 Jahren keine Dividendenkürzung erlaubt und lockt mit süßen 6,7% Rendite. Doch das Ende der EU-Zuckermarktverordnung setzt dem Unternehmen kräftig zu, auch wenn inzwischen immerhin knapp die Hälfte vom Umsatz mit Fruchtsaftkonzentraten erwirtschaftet wird. Die Börsianer jedenfalls sind skeptisch: 2018 hat die Aktie knapp 40% verloren.

DividendenAdel Austria 2018 Bilanz

Do & Co kräftig erholt

Doch manchmal sind ja genau solche Situationen ideale Einstiegsgelegenheiten. So, wie vor zwölf Monaten bei Do & Co. Die Aktie des noch immer von Firmengründer Attila Dogudan geführten Edel-Caterers war 2017 wegen ihrer Türkei-Aktivitäten kräftig unter die Räder gekommen – immerhin ein Drittel der Umsätze stammen aus Erdogans Reich. Doch obwohl die politische Situation am Bosporus sich nicht gerade verbessert hat, konnte der Kurs 2018 über 60% zulegen. Die Dividende stagniert dennoch bereits das dritte Jahr in Folge, wobei die Payout-Quote von 29% durchaus Spielraum für Anhebungen lassen würde.

ATX-Granden bieten kaum Dividendenqualität

Die ATX-Schwergewichte sucht man im DividendenAdel Austria hingegen vergebens. Verbund hatte erst 2017 die Ausschüttung gekürzt (was der rasanten Performance der Aktie indes keinen Abbruch getan hat), OMV hatte ein Jahr zuvor gesenkt, bei der Erste Group war es 2015 sogar zu einem Ausfall gekommen und Raiffeisen hat die Dividendenzahlungen erst 2018 wieder aufgenommen.

Österreichische Post kratzt am DividendenAdel

Wer Größe und Dividendenkontinuität unter einen Hut bringen will, landet deshalb früher oder später bei der Österreichischen Post. Seit dem Börsengang 2006 gab es keine einzige Kürzung, dafür aber zehn Anhebungen und satte Renditen. Für 2018 dürfen Anleger mit 6,6% rechnen. Kehrseite der Medaille: Mit 81% liegt die Ausschüttungsquote oberhalb des DividendenAdel-Korridors, was auch dem staatlichen Einfluss geschuldet sein dürfte – 52% der Aktien liegen bei der Republik Österreich und auch deren Finanzminister mag üppige Dividenden.

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