DAX Dividendensaison 2019: Ein erster Blick in den Kaffeesatz

Wenn am morgigen Donnerstag der Siemens-Konzern seine Zahlen vorlegt, fällt damit auch der Startschuss für die DAX Dividendensaison 2019. Denn weil das Geschäftsjahr bei der Industrie-Ikone aus München schon zum 30. September endet, ist dieser Quartalsabschluss zugleich der Jahresüberschuss. Und der wird traditionell mit einer Aussage zur Dividende garniert, die der Hauptversammlung Ende Januar vorgeschlagen werden soll.

Siemens: Kontinuität und Rendite statt Dynamik

Mit großen Überraschungen ist nicht dabei nicht zu rechnen. Ein herausforderndes Umfeld bei Kraftwerken und Generatoren, ordentliches Wachstum im Geschäftsfeld „Digitale Fabrik“ und der erfolgreiche Börsengang der Medizintechnik-Sparte Healthineers: Unter dem Strich sollte das für eine kleine Anhebung reichen.

2018-11-07 SIEMENS AG-REG DividendenAdel-Profil-1

Damit rechnen jedenfalls die von Bloomberg erfassten Analysten. Der Median ihrer Schätzungen liegt bei 3,80 Euro – zehn Cent oder 2,7% mehr als im Vorjahr. Nicht gerade spektakulär, doch Siemens-Aktionäre sind in puncto Dividenden-Dynamik ohnehin nicht verwöhnt und setzen mehr auf Kontinuität. Immerhin hat sich der Konzern trotz vieler zyklischer Aktivitäten seit über einem Vierteljahrhundert keine Kürzung geleistet. Parallel winken auf Basis der Prognose immer 3,7% Rendite.

DAX Dividendensaison 2019: Der aktuelle Kaffeesatz

Bei vielen anderen DAX-Werten wird’s auf jeden Fall spannender. Nachdem bei den Firmen mit dem Kalenderjahr entsprechendem Geschäftsjahr gerade mal die Zahlen für das dritte Quartal „durch“ sind, haben die Dividendenschätzungen für 2019 mehr mit Kaffeesatzleserei als mit profunder Analyse zu tun.

DAX Dividendensaison 2019 Kaffeesatz

Dennoch taugen die Prognosen als Indikator für das Sentiment und das sieht nicht mehr ganz so rosig aus. Zwar dürften erstmals in diesem Jahrtausend alle 30 DAX-Mitglieder eine Dividende zahlen. Aber der 2018 aufgestellte Rekord von 25 Anhebungen dürfte außer Reichweite sein: Gemessen am Median der Prognosen sehen die Analysten derzeit nur bei 20 Unternehmen steigende Ausschüttungen.

Enttäuschungen voraus – etwa bei Daimler

Knapp ein Drittel des DAX wird demnach allenfalls stabile Dividenden zahlen – oder vielleicht sogar kürzen. Fragezeichnen stehen dabei vor allem hinter Bayer, der Deutschen Post, Continental – und Daimler: Trotz der jüngsten Gewinnwarnungen werden vom Stuttgarter Autobauer für 2019 im Durchschnitt noch dieselben 3,65 Euro je Aktie erwartet, die auch dieses Jahr gezahlt wurden. Die Spannweite der Schätzungen reicht allerdings von 3,25 bis 3,80 Euro und signalisiert damit deutlich mehr Abwärts- als Aufwärtspotential.

2018-11-07 DAIMLER AG DividendenAdel-Profil-1

Der Prognose-Algorithmus von Bloomberg, der neben den Analystenschätzungen auch Bilanzkennzahlen, das Branchenumfeld und den historischen Track Record berücksichtigt, kalkuliert deshalb mit einer Kürzung auf 3,35 Euro. Und wenn in den nächsten Monaten weitere Hiobsbotschaften (Diesel, China, USA) hinzukommen, könnte am Ende sogar bloß eine Zwei vor dem Komma stehen.

Was wirklich wichtig ist

Auf jeden Fall sollten Anleger sich nicht von den 6,4% blenden lassen, die momentan in den Datenbanken für Daimler ausgewiesen werden. Das freilich gilt für jedes Unternehmen. Denn erstens sind das alles nur Schätzungen, die immer wieder eklatant daneben liegen. Und zweitens ist die Dividendenrendite – egal, ob sie nun auf Basis erwarteter, angekündigter oder historischer Ausschüttungen berechnet wird – kein hinreichender Grund, eine Aktie (nicht) zu kaufen. Mehr dazu übrigens auch in einem aktuellen Welt-Aufmacher von Daniel D. Eckert, inklusive einiger Statements von mir: „Dividendenjagd ist ein Fehler an sich. Anleger sollten gute Aktien jagen. Dann kommt die Dividende von ganz allein.“

2018-11-06 WELT Röhl Dividenden

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