Plötzliche Gewinnwarnung: DAX-Konzern Covestro verhohnepipelt Aktionäre

Ich bin sauer. Stinksauer. Auf Covestro. Nein, nicht weil die Aktie heute um 15% abgeschmiert ist. Im Gegenteil: Eigentlich wollte ich über ein paar Tranchen eine Position aufbauen und dabei habe ich nichts gegen Preisnachlässe. Auch dass ein zyklisches Unternehmen eine Gewinnwarnung ausgibt, schreckt mich nicht unbedingt. Das Konjunkturklima ist rauher geworden und 4,5% Prozent Dividendenrendite (zum Zeitpunkt meines Einstiegs) sind immer auch Signal und Prämie für das Risiko, das man eingeht.

Die sind in der Spur? Pustekuchen!

Was mich jedoch auf die Palme bringt: Erst am 25. Oktober, hatte Covestro den Ausblick für 2018 bestätigt. Gerade weil man dabei das „zunehmend herausfordernde Marktumfeld“ angesprochen hatte, dachte ich – wow, die sind in der Spur. Pustekuchen. Heute, also nicht einmal vier Wochen später, kam die 180 Grad-Wende. Operatives Ergebnis und Free Cash Flow werden nicht wie zuvor erwartet steigen, sondern unter dem Vorjahreswert liegen. Schuld daran sind die „Wettbewerbsintensität“ (als wenn innerhalb von 20 Tagen ein paar neue Konkurrenten aus dem Boden geschossen wären), der niedrige Pegel des Rheins („Wetter“ ist ja schon in der Modewelt ein beliebter Sündenbock) und Rückstellungen für ein „Effizienzprogramm“, das aber bereits Gegenstand der Oktober-Meldung war.

Covestro Gewinnwarnung

Da fühle ich als Miteigentümer mich gelinde gesagt verhohnepipelt. Die eigene Jahresprognose (wohlgemerkt im 4. Quartal und ohne exogene Schocks à la Lehman) einen Monat nach der offensiven Bestätigung kassieren – das ist entweder bewusste Irreführung oder Indiz für ganz miserables Controlling. Keine Ahnung, was schlimmer wäre. Aber Covestro ist eben keine Pommesbude, sondern ein DAX-Konzern mit 17.000 Mitarbeitern und (aufgrund der Historie als Bayer-Spinoff) Zehntausenden von Kleinaktionären. Deshalb wird durch so ein Debakel neben dem Unternehmen auch die Aktie an sich beschädigt.

Covestro beschädigt nicht nur die eigene Aktie

Weil Covestro erst seit 2015 eigenständig und börsennotiert ist, gibt es noch keinen „Krisen-Crash-Test“. Anders als bei BASF oder Lanxess haben wir Aktionäre keine Erfahrungswerte, wie das Geschäft sich in einem Konjunkturabschwung schlägt. Es braucht also Vertrauen, neudeutsch „Comfort“ oder „Confidence“. Doch meinen Vertrauensvorschuss hat CEO Markus Steilemann erstmal aufgebraucht. Und damit haben sich auch Nachkäufe b.a.w. erledigt. Kurzzeitig hatte ich sogar erwogen, einen Schlussstrich unter die Aktie zu ziehen und auszusteigen. Doch es war ja nur eine Anfangsposition und die hebe ich mir bis zur Hauptversammlung auf…

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