China Everbright: Grüne Dividenden aus dem roten Reich

In den meisten Dividenden-Portfolios sind asiatische Aktien allenfalls eine exotische Beimischung. Einerseits fehlt vielen Anleger sowohl der kulturelle als auch der technische Zugang, andererseits gibt es auch nicht allzu viele Depot-Kandidaten: In Japan bedeutet Kontinuität oft Stagnation – während chinesische Firmen zwar vielfach mit stattlicher Dynamik und respektablen Renditen locken, sich dann aber als unsichere Kantonisten entpuppen.

30% Dividendenwachstum

Zu den wenigen Ausnahmen gehört China Everbright International. Das in Hongkong notierte Unternehmen hat seine Ausschüttung seit 14 Jahren nicht gesenkt und zuletzt sogar zehnmal in Folge erhöht – mit einer atemberaubenden Rate von 30% p.a. Und das alles, ohne den Payout übermäßig zu strapazieren: Zwar hat sich die Ausschüttungsquote seit 2007 verdoppelt. Mit 39% liegt der Drei-Jahres-Durchschnitt aber immer noch in der unteren Hälfte des DividendenAdel-Korridors.

Sprudelnde Gewinne aus grünen Projekten

Will heißen: Die Dividenden-Dynamik geht einher mit nachhaltigem Gewinnwachstum – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn als Generalunternehmer für den Bau und den Betrieb von Klär- und Entsalzungsanlagen, Waste-to-Energy-Projekten sowie Wind-, Solar-und Kraftwerken gehört China Everbright International zu den „grünsten“ Aktien  Asiens. Insgesamt umfasst das Everbright-Reich derzeit an 250 Standorten in 17 chinesischen Provinzen.

2017-09-27 60 CHINA EVERBR INT DividendenAdel-Profil ab 2007-1

Und weil Umweltschutz – schon 1983 zum Staatsziel erklärt – von der Pekinger Führung mit zunehmender Entschlossenheit umgesetzt wird, läuft das Geschäft auf Hochtouren. Mit 18 Mrd. Hongkong-Dollar dürfte der Umsatz dieses Jahr mehr als sechsmal so hoch ausfallen wie 2010, der Gewinn wird ähnlich stark zulegen. Gemessen daran wirkt die Bewertung mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von 11 geradezu lächerlich.

Wachstum birgt auch Risiken

Doch es gibt auch Risiken. Dazu zählt nicht nur die mit einer Debt-to-Assets-Ratio von 43% recht hohe Verschuldung. Mindestens genauso relevant ist das Management des Wachstums, denn in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu selbstverschuldeten Verzögerungen bei größeren Vorhaben. Hinzu kommt, dass fast alle Everbright-Projekte irgendwie von der öffentlichen Hand oder von staatlich gelenkten Firmen abhängen. Neben regulatorischen Risiken bringt das eine gewisse Anfälligkeit für Korruption mit sich.

Augen auf beim Everbright-Kauf

Obendrein sind chinesische Firmen bei der Bilanzierung manchmal eine Spur zu kreativ, um es mal ganz vorsichtig zu formulieren. Dennoch steht unter dem Strich ein faires Chance/Risiko-Profil. Wer sein Income-Depot mit einer Prise Asien würzen möchte, sollte China Everbright International ganz oben auf der Liste haben – und genau hinschauen. Denn es gibt mehrere „Everbrights“, darunter die in Singapur gelistete Wasser-Tochter, die in Hongkong notierte Greentech Sparte und eine nicht mit dem Konzern verbundene Immobiliengesellschaft. Die am Zusatz „International“ erkennbare Holding jedenfalls wird auch in Frankfurt und Berlin gehandelt (WKN 885610) gehandelt, zeitweise allerdings mit Scheunentor-Spreads von 3-4%. Deshalb auf jeden Fall die Kursstellung prüfen und limitieren!

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