Britische Aktionäre leben seit 1999 nur von Dividenden

Zu Anfang der britisch-europäischen Schicksalswoche mal ein Blick auf den FTSE 100 Index. Der misst die Wertentwicklung der 100 wichtigsten Insel-Aktien und konnte sich allen Brexit-Ängsten zum Trotz recht ordentlich behaupten: Während der EURO STOXX 50 im bisherigen Jahresverlauf rund zehn Prozent eingebüßt hat, pendelt der „Footsie“ ähnlich wie die US-Märkte um die Nulllinie.

Das gilt allerdings nicht nur für die letzten sechs Monate, sondern auch für die letzten gut 17 (!) Jahre. Richtig gelesen: Knapp oberhalb von 6.000 Zählern notiert das britische Aktienbarometer ungefähr auf dem Niveau von 1999. Eine quälend lange Seitwärtsphase – außer Spesen nichts gewesen!?

Nein, ganz so schlimm sieht’s dann doch nicht aus. Denn anders als die Indices der DAX-Familie ist der FTSE 100 – wie international üblich – als so genannter Kursindex konzipiert, der lediglich die Kursveränderungen der enthaltenen Aktien reflektiert. Die Dividenden hingegen fallen bei der Berechnung unter den Tisch, was vor allem die Banken freut, die Open End-Zertifikate auf den Leitindex der London Stock Exchange aufgelegt haben: Sie streichen die Ausschüttungen der Firmen ein, ohne diese an die Anleger weiterzureichen.

Und das ist ein ziemlich gutes Geschäft, wie ein Vergleich mit dem FTSE 100 Total Return zeigt. Der öffentlich kaum bekannte „Bruder“ des Insel-Index ist wie der DAX ein Performance-Index, der neben den Kursen auch die Dividenden anrechnet – und zwar dergestalt, dass diese am Tage des Zuflusses (auch Ex-Tag genannt) in die jeweilige Aktie reinvestiert werden.

2016-06-20 Vergleich TUKXG vs. UKX ab 1999-1

Auf diese Weise entsteht ein realistisches Abbild eines Investments in britische „Blue Chips“. Inklusive Dividenden stehen seit Anfang 1999 immerhin rund 90 Prozent Plus zu Buche. Auf’s Jahr heruntergebrochen sind das 3,8 Prozent – absolut betrachtet auch nicht wirklich berauschend, aber immerhin kein Nullsummenspiel.

Und so steht am Ende wieder einmal die Erkenntnis: Ohne Dividenden ist alles nichts. Der gesamte Ertrag, den Anleger mit britischen Standardwerten in den letzten gut eineinhalb Jahrzehnten einfahren konnten, resultiert nahezu vollständig aus den Ausschüttungen. Und daran dürfte sich auch in Zukunft – Brexit hin oder her – nicht viel ändern. DividendenAdel-Mitglieder wie der Mode-Filialist Next, die Werbeagentur WPP, die Schnapsabfüller von Diageo oder der Spezialchemie-Konzern Croda bleiben deshalb langfristig interessant.

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