Dividenden-Psychologie: Geld-Gewitter versus monetärer Nieselregen

Jetzt geht’s los – die deutsche Dividendensaison startet in die heiße Phase. Am Osterdienstag zunächst Ex-Tag bei Airbus. Der Ausschüttungskrösus aus dem MDAX überweist erstmals mehr als eine Milliarde Euro an seine Anteilseigner, bevor am Freitag Beiersdorf und Gea weitere 330 Mio. Euro unter die Leute bringen.

70% des Jahresvolumens in sieben Wochen

Doch das ist nur der Auftakt zur großen Aktionärsbescherung. Kommende Woche stehen zwölf Hauptversammlungen auf der Agenda, eine Woche später bereits über 20 und in der Woche vom 8. Mai folgt der doppelte Rekord: Auf knapp 50 Aktionärstreffen werden Dividendenvorschläge im Volumen von mehr als 10 Mrd. Euro durchgewunken.

Dividendensaison 2017 Nieselregen Geld-Gewitter

Noch bis Ende Juni laden dann jeden Tag gleich mehrere Firmen zur Hauptversammlung. Die großen Beträge sind zu diesem Zeitpunkt aber längst durch: In den sieben Wochen zwischen dem 18. April und dem 2. Juni schütten über 170 Unternehmen rund 33 Mrd. Euro aus. Das sind mehr als 70% der gesamten Ausschüttungssumme des deutschen Aktienmarktes – und dass diese Quote nicht sogar 90% beträgt, liegt allein an Siemens und Daimler. Die Münchener Industrie-Ikone hat ein versetztes Geschäftsjahr (01.10.-30.09.) und schüttet deshalb wie Infineon und ThyssenKrupp im Januar aus, während die schwäbische Auto-Schmiede traditionell Vollgas gibt und ihre Eigentümer schon Ende März zusammentrommelt.

Viel Zeit zum Grübeln und Zweifeln

Psychologisch ist diese Konzentration des Dividenden-Regens auf wenige Wochen im Frühjahr eher ungünstig. Denn nach dem großen Geld-Gewitter dauert’s wieder mehr als zehn Monate, bis die Ernte-Saison aufs Neue beginnt – viel Zeit zum Grübeln und Zweifeln, vor allem wenn die Kurse mal nicht mehr so fröhlich steigen wie zuletzt.

Quartalsdividenden sorgen für monetären Nieselregen

Deshalb lieben wir die in den USA üblichen Quartalsdividenden. Schon ein gutes Dutzend US-Titel im Depot reicht aus, damit im Grunde jede Woche von irgendwo her Geld auf’s Konto tröpfelt. Und dieser monetäre Nieselregen ist die beste Motivation, sich vom hektischen Auf und Ab der Kurse freizumachen und auch in schwierigen Phasen cool zu bleiben. Denn nur wer nicht in Panik verfällt und seine Aktien nicht auf den Markt schmeißt, kann weiterhin Dividenden kassieren.

Realty Income zahlt sogar monatlich

Darauf zielt auch Realty Income ab. Als einziges Unternehmen im S&P 500 zahlt die US-Immobilienfirma nicht nur quartalsweise, sondern sogar monatlich. Die Mieteinnahmen werden sozusagen direkt an die Anteilseigner durchgeroutet – mit bemerkenswerter Kontinuität: Im Monatsvergleich waren die Dividenden in über zwei Jahrzehnten niemals rückläufig und auf Jahresbasis stehen bislang nahezu aristokratische 21 Anhebungen in Serie zu Buche.

2017-04-18 REALTY INCOME DividendenAdel-Profil ab 2007-1

Gleichwohl kann die Ausschüttungsfrequenz kein hinreichender Grund für ein Investment sein, schon gar nicht bei einem überwiegend auf Gewerbeimmobilien fokussierten Portfolio. Dass Reality Income sich am Kapitalmarkt unter dem Claim „The Monthly Dividend Company“ vermarktet, zeigt jedoch: Regelmäßige unterjährige Ausschüttungen können durchaus dazu beitragen, Aktionäre bei der Stange zu halten und neue Investorenkreise zu erschließen.

Noch ein Argument für globale Streuung

Vielleicht bringen Verbände und Unternehmen dieses Thema ja auch hierzulande mal auf die Agenda des Gesetzgebers. Bis dahin bleibt uns Income-Investoren nur der (im Interesse einer breiten Diversifikation ohnehin essentielle) Schritt ins Ausland. Um unsere Einnahmeströme zu verstetigen, müssen wir allerdings nicht zwangsläufig über den großen Teich schauen. Auch auf den europäischen Kurszetteln gibt es knapp 700 Firmen, die quartalsweise oder zumindest halbjährlich ausschütten – darunter viel lupenreiner DividendenAdel wie Unilever, Inditex, Novo Nordisk, Prudential oder WPP.

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1 Antwort

  1. 21. April 2017

    […] Über die Vorteile von Quartals- und Monats-Dividenden >>> Dividenden-Psychologie: Geld-Gewitter versus monetärer Nieselregen […]

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