Bis zu 43 Mrd. Euro: Deutsche Aktien 2017 mit neuem Dividendenrekord

Jetzt geht’s los mit der Dividendenjagd im DAX: Am morgigen Montag ist zunächst Ex-Tag bei ThyssenKrupp, am Mittwoch dann lädt Siemens zur Hauptversammlung. Knapp 3,1 Mrd. Euro wird der Münchener Industriegigant anschließend an seine Aktionäre überweisen und damit wie im Vorjahr drittgrößter Dividendenzahler der Republik sein. Noch mehr schütten wohl nur Daimler und Allianz aus.

MDAX profitiert von Innogy und Uniper

Das jedenfalls signalisieren unsere ersten Hochrechnungen zur Dividendensaison 2017. Demnach dürfte das Ausschüttungsvolumen der 30 DAX-Firmen erstmals die Marke von 30 Mrd. Euro überspringen und um 7% auf bis zu 31,7 Mrd. Euro steigen. Noch stärker sollte der Zuwachs im MDAX ausfallen, wo in Summe – auch wegen der dividendenstarken DAX-Abspaltungen Innogy (RWE) und Uniper (E.ON) – bis zu 9 Mrd. Euro zur Ausschüttung kommen könnten, gut ein Viertel mehr als 2016.

Konjunktur und Nullzins sorgen für Dividendenrekord

Insgesamt wird das Füllhorn, das die 160 Unternehmen aus den vier Auswahl-Indices DAX, MDAX, SDAX und TecDAX über ihren Anteilseignern ausbreiten, etwa 42-43 Mrd. Euro schwer sein. Gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Plus von mehr als 10%. Der neuerliche Dividendenrekord reflektiert einerseits die positive Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2016, ist andererseits aber auch eine Folge von Niedrig-, Null- und Negativzinsen: Im Rendite-Tief drängen vor allem institutionelle Investoren aus dem Ausland verstärkt auf attraktive Dividenden. Dennoch werden die Ausschüttungsquoten der meisten hiesigen Konzerne weiterhin signifikant unter den 50% liegen, die etwa die DSW Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. als Richtschnur ansieht.

Bislang kaum offizielle Ankündigungen

Genau wird man das jedoch erst in einigen Wochen sagen können, denn derzeit liegen nur für gut ein Zehntel des von uns prognostizierten Ausschüttungsvolumens offizielle Dividendenankündigungen der Unternehmen vor. Die übrigen 90% basieren auf Analystenschätzungen. Erfahrungsgemäß treffen diese ganz gut den übergeordneten Trend, aber bei den einzelnen Firmen gibt es immer wieder deutliche Abweichungen oder handfeste Überraschungen. Man denke nur an den Paukenschlag bei RWE im letzten Jahr: Fast alle Experten waren von 0,50 Euro Dividende je Aktie ausgegangen und dann wurde am 17. Februar plötzlich eine Nulldiät für die (Stamm-)Aktionäre verkündet.

Große Streubreite: Vorsicht vor Schätzungen

Ähnliches werden wir aller Erfahrung nach auch dieses Jahr wieder erleben, weshalb die Rendite-Hitlisten der Finanzportale mit großer Vorsicht zu genießen sind. So weist Finanztreff für Hugo Boss 4,2% erwartete Dividendenrendite aus, was eine Ausschüttung von 2,57 Euro implizieren würde. Doch das ist nur der Mittelwert aus 20 Analystenschätzungen, die sich zwischen 1,60 Euro und 3,60 Euro bewegen. Ein klares Indiz dafür, dass die Rendite-Prognosen oft nicht einmal als Orientierungshilfe taugen – geschweige denn als Grundlage für eine seriöse Anlageentscheidung.

Und Hugo Boss ist kein Einzelfall. Beispiel Volkswagen: In den letzten 28 Tagen haben 13 Analysten ihre Schätzung zur VW-Dividende bestätigt oder aktualisiert. Das Mittel liegt bei 1,62 Euro, der Median bei 1,06 Euro, das valide Maximum bei 2,46 Euro, das Minimum bei 0,50 Euro. Alles klar? Bei RWE gibt es derzeit nur acht aktuelle Schätzungen, die zwischen 0,00 und 0,50 Euro liegen, bei einem Durchschnitt von 0,15 Euro und einem Median von Null-Komma-Nix – und auf diesem Niveau bewegt sich auch der Erkenntniswert solcher Prognosen.

Neue Dividendenstudie kommt schon Ende März

Wir lassen deshalb die Glaskugel im Schrank und warten auf die Fakten, sprich die Jahresabschlüsse und Dividendenvorschläge der Unternehmen. Schon kurzfristig wird sich der voraussichtliche Volumen-Krösus Daimler erklären (02.02.), nächste Woche folgt u.a. die Münchener Rück (07.02.) und dann geht’s Schlag auf Schlag: Bis zum 23.03. werden für über 120 deutsche Unternehmen verlässliche Ist-Zahlen vorliegen – und auf dieser Basis erstellen wir dann gemeinsam mit den Anlegerschützern von der DSW und den Wissenschaftlern vom isf Institute for Strategic Finance der FOM Hochschule die achte Auflage unserer großen Dividendenstudie Deutschland. Die nach Ansicht der F.A.Z. „in ihrer Detailtiefe einzigartige“ Studie wird dieses Jahr bereits Ende März der Öffentlichkeit präsentiert.

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1 Antwort

  1. 14. September 2017

    […] ²Röhl, Christian W.: Bis zu 43 Mrd. Euro: Deutsche Aktien 2017 mit neuem Dividendenrekord. dividendenadel.de (09/2017). ³Krüger, Thomas: Bürgen sollen länger für Flüchtlinge zahlen als gedacht. […]

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