Adidas dominant wie der FC Bayern: So einfach schlägt man den DAX

Wie im richtigen Leben blickt man kurz vor dem Jahreswechsel auch an der Börse gerne mal in den Rückspiegel. Wahrscheinlich haben Sie deshalb inzwischen gefühlte 100-mal gelesen, welcher DAX-Wert 2016 die höchsten Kursgewinne verzeichnen konnte (Adidas weit vor Siemens) und wer in der 1. Börsen-Bundesliga den letzten Platz belegt – na klar, die Deutsche Bank knapp hinter der Commerzbank. Doch was ist schon ein Jahr, wenn man Aktien nicht als kurzfristige Spekulation ansieht, sondern als langfristige Investition in einen liquiden Sachwert mit laufenden Erträgen!?

15 Jahre sind ein angemessener Horizont

Wir haben deshalb einen etwas weiteren Horizont gewählt und betrachten gleich die letzten 15 Jahre. Der Zeitraum ist kein Zufall, denn anlässlich des Weltspartags hatten wir ja schon gezeigt: Gemessen an der DAX-Entwicklung seit 1950 liegt das empirische Risiko, mit deutschen Aktien Geld zu verlieren, ab einer Anlagedauer von eineinhalb Jahrzehnten nahe Null.

DAX Rückblick 15 Jahre

Ausgangspunkt für unseren Rückblick ist die DAX-Zusammensetzung von Ende 2001. Damals waren mit Degussa, Epcos, der HypoVereinsbank und Schering noch vier Werte im Frankfurter Leitindex enthalten, die inzwischen durch Übernahmen vom Kurszettel verschwunden sind. Für die Performance-Berechnung legen wir hier den Börsenpreis vom Delisting-Tag zugrunde. Vier weitere Werte sind zwar aus dem DAX ausgeschieden, werden aber nach wie vor gehandelt: Metro gehört seit 2012 zum MDAX und MLP ist immerhin noch im Prime Standard gelistet – während MAN nach der 75%-Übernahme durch VW in den General Standard abgestiegen ist und die TUI-Aktie ihre primäre Notierung in London hat.

Adidas siegt vor BASF und Henkel

Immerhin 22 Aktien sind also über die volle Distanz dabei – und witzigerweise stehen im 15-Jahres-Vergleich oben und unten dieselben Unternehmen wie in der 2016er Bilanz: Bester DAX-Wert der letzten eineinhalb Jahrzehnte ist Adidas, wobei die Sportler aus Herzogenaurach den anderen 29 Aktien fast so weit enteilt sind wie der FC Bayern München seinen Bundesliga-Konkurrenten. Inklusive reinvestierter Dividenden summiert sich das Plus auf 750% und selbst ohne die (bei Adidas traditionell eher mageren) Ausschüttungen reicht es immer noch für eine Versiebenfachung.

Platz zwei belegt BASF, allerdings nur im Total Return-Ranking, also inklusive Dividenden. Denn der Kursgewinn, auch „Price Return“ genannt, macht mit rund 320% nur knapp die Hälfte des Gesamtertrags von 630% aus – die restlichen 300% stammen aus der Reinvestition der jährlichen Ausschüttungen. Blendet man diese aus und schaut nur auf die Kursentwicklung, würde hingegen Henkel die Vizemeisterschaft erringen.

Dividenden polieren Langfrist-Bilanzen auf

Auch weiter unten polieren die Dividenden so manche Langfrist-Bilanz auf. Die Deutsche Telekom etwa liegt noch immer rund gut 15% unter ihrem Kurs von vor 15 Jahren. Zählt man die Ausschüttungen hinzu, wird aus diesem Minus dagegen ein Plus von 75% – womit die T-Aktie per Saldo deutlich besser abgeschnitten hat als die Münchener Rück, die zwar zuverlässig Dividenden abwirft, allerdings einen Kursverlust von fast 40% aufholen muss.

Am Tabellenende tummeln sich die „üblichen Verdächtigen“: Finanzwerte und Versorger. Auch bei E.ON und RWE können die Dividenden das Leid indes zumindest ein bisschen lindern, während bei MLP und der Commerzbank sogar auf Total Return-Basis neun Zehntel des Geldes durch den Schornstein sind. Insgesamt haben Aktionäre mit 13 der 30 Titel Kursverluste erlitten, wobei diese Zahl auf acht sinkt, wenn man die Ausschüttungen berücksichtigt.

Gleichgewichtung sorgt für Performance-Plus

Abschließend noch der Blick auf den DAX, der als Performance-Index alle Dividenden automatisch reinvestiert. In den letzten 15 Jahren konnte das Frankfurter Aktien-Barometer trotz der Rezession 2002 und der Depression 2008/09 gut 120% zulegen. Der „kastrierte“ Kursindex, der ohne Ausschüttungen berechnet wird, kommt nur auf 44% – ein weiterer Beweis für die Macht der Dividenden.

DAX-Equal-Weight-vs.-DAX-ab-12-2001

Mindestens genauso spannend ist jedoch eine andere Beobachtung: Hätte man 2001 nicht direkt in den DAX investiert, sondern sein Vermögen zu gleichen Teilen auf die 30 DAX-Werte verteilt und eineinhalb Jahrzehnte nichts getan außer die Dividenden wieder angelegt, würde sich der Zuwachs auf 160% belaufen – rund 40 Basispunkte mehr als beim nach Kapitalisierung gewichteten, regelmäßig aktualisierten DAX-Index.

Nichtstun kann sich also durchaus lohnen, sorgt aber auch für Klumpenrisiken. In einem 2001 gestarteten, anfänglich gleichgewichteten Portfolio mit allen DAX-Aktien hätte Adidas jetzt einen Anteil von über 10%. Ein regelmäßiges Zurücksetzen der Gewichtungen – auch „Rebalancing“ genannt – macht deshalb allemal Sinn, vor allem weil es keine Performance kostet: Würde die Deutsche Börse AG das Gewicht der einzelnen DAX-Titel nicht am Börsenwert ausrichten, sondern jeder Aktie immer zum Jahresanfang denselben Anteil von einem Dreißigstel einräumen, hätte der Index in den vergangenen 15 Jahren sogar knapp 180% (statt 120%) zugelegt. Anders als viele Fondsmanager gerne suggerieren, ist es also gar nicht so schwierig, den DAX systematisch zu übertreffen…

Christian W. Röhl auf Twitter: http://www.twitter.com/cwroehl

 

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