SDAX erstmals über 10.000: Dividendenjagd im Durchgangsbahnhof

Und wieder ein Rekord: Der SDAX – sozusagen die 3. Börsen-Bundesliga hinter DAX und MDAX – hat heute zu Handelsbeginn erstmals die Marke von 10.000 Punkten überschritten. Im Langfrist-Vergleich der drei Frankfurter Aktienbarometer, die allesamt Anfang 1988 bei 1.000 gestartet sind, hinkt der Nebenwerte-Index aber nach wie vor hinterher. Das hat auch damit zu tun, dass der SDAX so etwas wie der „Durchgangsbahnhof“ der DAX-Familie ist.

SDAX Allzeithoch 10.000 Punkte

Hier starten viele Neuemissionen, immerhin neun von 50 Firmen sind seit weniger als drei Jahren an der Börse. Doch die besten Unternehmen sind oft nicht lange dabei: Wer beim Börsenwert kräftig zulegt, kann zügig in den MDAX aufsteigen – wie beispielsweise Zalando, Parkett-Debütant vom Herbst 2014. Umgekehrt tummeln sich im SDAX einige MDAX-Absteiger, darunter der kriselnde Stahlhändler Klöckner & Co. oder der Autozulieferer ElringKlinger, dessen Aktie ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen hat.

SDAX für „Stock Picker“ spannender als für Index-Investoren

Ein SDAX-ETF (etwa WKN ETF005 von ComStage) ist deshalb vielleicht nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Für engagierte Dividendenjäger bietet der Index allerdings einige interessante Opportunitäten, auch wenn die meisten Unternehmen nicht alle DividendenAdel-Kriterien erfüllen. Unsere aktuellen Top 7 Favoriten:

Amadeus Fire: Der Personaldienstleister gehört zu den wenigen Firmen, bei denen eine Vollausschüttung die Perspektiven des Geschäftsmodells nicht beeinträchtigt. In den letzten zehn Jahren gab’s nur einmal eine marginale Kürzung und jetzt sind wieder 5% Dividendenrendite drin.

BayWa: Der Agrarhändler und Gewinner der DividendenAdel-Awards 2016 wird seine Ausschüttung dieses Jahr wohl zum 13. Mal in Folge anheben. Der Sektor ist zwar schon länger „out“ an der Börse, aber bis der Kurs wieder anspringt, sind 2,8% Rendite kein schlechtes Trostpflaster.

Capital Stage: Nach der Übernahme von Chorus Clean Energy ist der Solarpark-Betreiber die größte deutsche „YieldCo“. An den Sonnenstrom-Renditen partizipieren Aktionäre seit 2012 über kontinuierlich steigende Dividenden.

Deutsche Beteiligungs AG: Die Private Equity-Firma hat ihre Basis-Dividende seit acht Jahren nicht gesenkt und beteiligt ihre Anteilseigner mit Sonderausschüttungen an erfolgreichen Portfolio-Verkäufen. Nächster Ex-Tag (3,4% Rendite) ist wegen des versetzten Geschäftsjahres übrigens schon der 23. Februar.

Grenke: Der Spezialist für IT-Leasing steht an der Spitze des DividendenAdels Deutschland – mit nunmehr 15 Jahren ohne Kürzung und einer Dividenden-Dynamik von 18,5% p.a. in den letzten fünf Jahren. Die Rendite liegt indes nur knapp über der Ein-Prozent-Marke.

Hornbach Holding: Seit über einem Vierteljahrhundert hat die Baumarkt- und Immobilien-Holding ihre Dividende nicht gesenkt – wobei die Ausschüttungsquote (22,9% im Drei-Jahres-Durchschnitt) unseren Zielkorridor bislang verfehlt. Zuletzt wurden die Payouts aber sukzessive erhöht.

Sixt: Der inhabergeführte Autovermieter ist weiterhin auf Wachstumskurs und dürfte Mitte März die fünfte Dividendenanhebung seit der Finanzkrise vorschlagen. Statt der im SDAX enthaltenen Stammaktie können Privatanleger die deutlich günstigeren Vorzüge kaufen und sich auf diese Weise 4% Dividendenrendite sichern.

Klicken Sie sich durch die Dividendenprofile unserer Top 7 SDAX:
2017-02-15 Dividendenprofil AAD GR ab 2007-1
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6 Antworten

  1. Pariah sagt:

    Ich kann Ihre Euphorie über Höhe Ausschüttungen in Form von Dividenden nicht ganz nachvollziehen.

    M.E. sollte die Ausschüttung ein Ergebnis einer nachvollziehbaren Kapitalallokation sein. Das kann auch bedeuten, dass ein Unternehmen garnicht ausschüttet wenn dies im Rahmen der Reaourcenplanung opportun erscheint.

    Im Gegenteil – mir ist es viel lieber, wenn ein Unternehmen Gewinne thesauriert und für zukünftiges Wachstum reinvestiert anstatt mir mein Geld – Gemindert um Ertragssteuern – zurückzugeben. Stichwort Compounding…

    Kann ein Unternehmen nicht mehr zu einem den Kapitalkosten übersteigenden Return reinvestieren, bietet sich ein Aktienrückkauf-Programm an. Das ist steuerlich wesentlich effizienter.

    Warum also Ihr Fokus auf Hohe Dividenden?

    • Sind wir „euphorisch“ über hohe Ausschüttungen? Nicht wirklich… wir fordern von Unternehmen, in die wir investieren, allerdings eine angemessene, stabile und möglichst nachhaltig erwirtschaftete Vergütung für das zur Verfügung gestellte Eigenkapital – eben eine Dividende. Denn davon, dass das Unternehmen Gewinne thesauriert oder anderen Anlegern, die aussteigen wollen, ihre Aktien abkauft, können wir uns kein Brötchen kaufen – dafür braucht es Cash 🙂 Im übrigen kann man alle möglichen Zahlen irgendwie „bereinigen“ (oder manipulieren), die Dividende hingegen ist eine ehrliche Erfolgskennzahl: Sie landet final auf dem Konto des Aktionärs, der dann souverän entscheiden kann, was er damit macht. In dasselbe Unternehmen investieren, in ein anderes Unternehmen investieren oder schlichtweg verprassen.

  2. Pariah sagt:

    Aber die Grundannahme des Investments im ein (gelistetes) Unternehmen ist doch, dass das zur Verfügung gestellte Kapital Gewinnne erzielt die sich Schlussendlich in der Unternehmensbewertung widerspiegeln. Steigen die Gewinne, steigt die Unternehmensbewertung, also der Kurs… Für den Kauf meiner Brötchen brauche ich also nur entsprechend viele Aktien verkaufen. Bis zum Verkaufszeitpunkt, den ich selbst bestimme und nicht das Unternehmen, rentiert sich das eingesetzte Kapital also weiter. Mich darüber zu freuen, dass das Unternehmen konstant ausschüttet und dafür im Zweifel die Investition in ein lohnendes Projekt zurückstellt überzeugt da wenig

    Was die Manipulation angeht: Am Ende des Tages geht es um Thesaurierung oder Ausschüttung. Ob das Unternehmen zwischenzeitlich irgendwelche nicht Cash-wirksamen Erzragszahlen ausweist ist Für diese unerheblich. Weise ich als Unternehmen z.B. einen „EBITDAR“, oder eine ähnliche Phantasiezahl aus ist weder für die Thesaurierung, noch für die Ausschüttung maßgeblich.

    So wie Sie es darstellen, trifft das Unternehmen für mich die Entscheidung wieviel ich, nach Versteuerung, in ein anderes Unternehmen investieren oder verprassen kann und nicht ich selbst.

    Die Dividende ist alles, aber definitiv keine Erfolgskennzahl!

    • spidy sagt:

      Ich bin Investor um vom passiven Einkommen auch zu leben. Regelmäßige Geldflüsse sind daher ein wichtiger Baustein. Allerdings darf man dabei die Kurssteigerungen nicht ausser Acht lassen, über diese Verkäufe kann ich selbst entscheiden. Auch hier arbeitet der Zinseszins Effekt langfristig für mich. Eine kontinuierliche Umsatz und Gewinnvorgeschichte eines Unternehmens wird oft weitergeschrieben wenn es eine führende Marktposition inne hat (langfristig). Kapital das nicht wertschöpfend eingesetzt werden kann soll auch den Investoren ausbezahlt werden oder auch für Aktienrückkaufe verwendet werden. Ich erfreue mich zB. immer noch an meinen AAPL Positionen seit 2010 – rund 800% Kurssteigerung und seit 2012 auch eine Dividende. Nach ein paar Jahren ist der Einstandspreis der Position über die Dividende verdient, Rückkaufprogramme onTop. Nein, ich werde die Aktie nicht verkaufen weil es nun eine Dividende gibt. Auch Teilverkäufe habe ich nie getätigt da es für mich ein langfrist Investment in Buffet Manier darstellt – eine CashMachine! Früher war es ein spektakulativer Wachstumswert den ich als Trade eröffnet hatte, heute ein solider BlueChip den ich ev. ein Leben lang halten werde… Und natürlich gibt es tausende andere Strategien unter uns Börsianern – ich mag die einfachen, die funktionieren.

      • DividendenAdel Eurozone 25Absolut Ihrer Meinung. Das ist wie bei Immobilien: Man hat laufende Einnahmen (hier Dividende, dort Miete) und dazu kommt die langfristige Wertsteigerung. Genau aus diesem Grunde weisen wir ja auch für unsere Strategien beide Parameter historisch aus – wie etwa hier im Beispiel für den DividendenAdel Eurozone 25.

    • Euro Dividendenzahler vs. NichtzahlerDas ist eine philosophische Diskussion… lassen wir doch mal Zahlen sprechen, in diesem Fall die 250 wichtigsten Aktien der Eurozone. Ein synthetisches Portfolio, das jedes Jahr gleichgewichtet mit den Firmen bestückt wird, die im Vorjahr Dividende gezahlt haben, kommt auf einen Total Return von 280%. Das spiegelbildliche Portfolio mit den Nichtzahlern erreicht im selben Zeitraum nur einen Wertzuwachs von knapp 50%.

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